Aufbereitungstechnik | 05.10.2018

Zwei neue Stützen fürs Baustoff-Recycling

Die Schweizer Firma Hagedorn AG setzt schon seit langem auf Baustoffrecycling. Zwei neue Brechern sollen künftig für noch bessere Ergebnisse sorgen.

 - Die seit Jahresfrist auf dem Aufbereitungsplatz der Hagedorn AG in Reichenburg im Einsatz stehende Raupenmobile Prallbrechanlage mit Siebeinheit Giporec R 130 FDR GIGA DA zeichnet sich dank dem Direktantrieb durch einen geringeren Treibstoffverbrauch aus.
Die seit Jahresfrist auf dem Aufbereitungsplatz der Hagedorn AG in Reichenburg im Einsatz stehende Raupenmobile Prallbrechanlage mit Siebeinheit Giporec R 130 FDR GIGA DA zeichnet sich dank dem Direktantrieb durch einen geringeren Treibstoffverbrauch aus.
Foto: Gipo AG

Als Pioniere der ersten Stunde in der Aufbereitung von Recycling-Baustoffen hat die Hagedorn AG mit Hauptsitz im Schweizer Meilen und ihrem Aufbereitungsplatz in Reichenburg sowie ihrem Werkhof in Pfäffikon bereits vor rund vierzig Jahren die ökonomische und ökologische Bedeutung des Materialrecyclings erkannt.

Aufstockung des Maschinenparks
Kürzlich investierte das Unternehmen in zwei neue Aufbereitungsanlagen des Anlagenherstellers Gipo, zum einen in eine Giporec R 130 FDR GIGA DA, die seit Juni 2017 auf dem Aufbereitungsplatz in Reichenburg im Einsatz ist. Mit der seit Mitte Mai dieses Jahres auf dem Werkhof in Pfäffikon betriebenen Giporec R 90 FDR GIGA konnte Ersatz für eine ältere Anlage geboten werden, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatte. Diese Anlage konnte der Hersteller trotz guter Auslastung im Werk und enger Terminanforderung seitens des Kunden kurzfristig herstellen.

Moderner Betrieb
Das seit mehr als 80 Jahren bestehende Familienunternehmen Hagedorn AG unter der Geschäftsleitung von Roman Kohler zählt gesamthaft 230 Mitarbeitende und bildet 15 bis 20 Lernende aus. Zum vielfältigen Leistungsangebot gehören, neben dem traditionellen Tief- und Straßenbau vom Vorplatz bis zur Autobahn, unter anderem Abbrüche und Aushübe, Transporte, Krandienstleistungen, Gussasphalt und Abdichtungen, Winterdienst, die Entsorgung von Gleisaushub, Straßenreinigung, Saugbaggerarbeiten und Asphaltfräsen. Zudem werden auf dem Werkhofareal in Pfäffikon mit einer Fläche von 1,2 ha mit modernen Gebäuden, Anlagen und Maschinenpark sowie in Reichenburg auf einem 26.000 m2 großen Aufbereitungs- und Lagerplatz Sekundärmaterialien zu Baustoffen aufbereitet. Dabei werden während der Bautätigkeit anfallende Materialien wie Mischabbruch, Fels, Ausbauasphalt, Beton usw. zu hochwertigen Baustoffen in verschiedenen Fraktionen weiterverarbeitet. Diese finden vorwiegend als Koffermaterial, in der Betonherstellung und als Straßenbaumaterial Verwendung. In den letzten Jahren wurden von der Hagedorn AG jeweils rund 300.000 t Kies und 40.000 m3 Beton pro Jahr aufbereitet. Davon gehen etwa ein Drittel in den Bedarf für eigene Baustellen und zwei Drittel in den Verkauf.

Kriterien für die Anlagenevaluation
Die auf dem Aufbereitungsplatz Reichenburg 2007 in Betrieb genommene Anlage musste ersetzt werden. Davor galt es abzuwägen, ob sich eine Revision und Erneuerung der doch zehnjährigen Anlage noch lohnen konnte oder ob einer Neuanschaffung der Vorzug zu geben ist. Bei der Entscheidung ließ sich Hagedorn von Gipo als einheimisches Unternehmen beraten. Ausgewählt wurde die raupenmobile Prallbrechanlage mit Siebeinheit Typ Giporec R 130 FDR GIGA DA für den Einsatz auf dem Aufbereitungsplatz in Reichenburg. Dieser Anlagentyp zeichnet sich aus Sicht von Walter Hüppin, Leiter Werkstatt- und Fuhrpark der Hagedorn AG, durch einige Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger aus: „Insbesondere ist der Kraftstoffverbrauch deutlich geringer, was dem neukonzipierten Direktantrieb des Prallbrechers zu verdanken ist“. Zudem hebt Hüppin die höhere Produktionsleistung und den innovativen Magnet-Eisenaustrag in Längsrichtung hervor. Ebenso erwähnt er positiv das einfache Handling der Anlage durch die zwei bis drei in Reichenburg in der Baustoffaufbereitung Beschäftigten.

 - Hagedorn konnte nach eigenen Angaben durch zwei neue Gesteinsbrechanlagen von Gipo Kompetenz und Kapazität steigern.
Hagedorn konnte nach eigenen Angaben durch zwei neue Gesteinsbrechanlagen von Gipo Kompetenz und Kapazität steigern.
Foto: Gipo AG

Die wesentlichen technischen Merkmale der neuen Anlage sind der Direktantrieb des Prallbrechers mit angeflanschtem Revox-Getriebe durch einen Caterpillar-Dieselmotor Stufe 4 final Typ C15 Acert mit 433kW / 580PS mit Partikelfiltersystem. Mit der neuen Hydrauliklösung wird der Brecher über ein Getriebe direkt und verlustarm angetrieben, ebenso verbrauchsoptimiert die Nebenantriebe für Rinnen, Siebe und Förderbänder.
Weitere konstruktive Merkmale der Anlage sind der robuste Prallbrecher P 130 mit einem Prallmühlen-Einlauf von 1.270 x 1.100mm und einem Rotordurchmesser von 1.300mm. Der Brecheraustrag arbeitet mit einer bewährten Austragsrinne und einem Förderband mit Gurtbreite 1.600mm. Dieses breite Austragsband verhindert lästige Materialstauungen unter dem Rotor und an den Übergabestellen. Zudem lässt sich eine Verringerung der Materialschichthöhe erzielen. Dies macht sich speziell im Recyclingbereich positiv bemerkbar, da Eisenteile auf diese Weise noch besser vom Überbandmagnetscheider, der in Längsrichtung bei Übergabe vom Förderband Brecheraustrag auf die Siebmaschine angeordnet ist, erfasst und ausgetragen werden.
Die Siebeinrichtungen besteht aus einer separaten 2-Deck Vorsiebmaschine sowie einer großen 2-Deck Nachsiebeinrichtung von 1‘800 x 5‘000mm, die sehr einfach von der Brechanlage abbaubar/demontierbar ist. Die integrierte Überkornrückführung erfolgt durch ein Förderband, das 180° hydraulisch schwenkbar ist. Das Materialflusskonzept ist ohne Verengung des Materialstromes ausgelegt, wobei sich die Systembreiten der Förderelemente in Materialflussrichtung öffnen. Anlage kann ohne zusätzliche Abstützungen betrieben werden, wodurch eine große Mobilität gewährleistet werden kann. Als Weiteres werden mit der integrierten Windsichtung Leichtstoffe wie Holz, Kunststoff und andere leichte Fremdmaterialien aussortiert.

 - Innerhalb sehr kurzer Zeit konnte eine neue Prallbrechanlage mit Siebeinheit in kompakter Bauweise hergestellt und auf dem Werkhof der Hagedorn AG in Pfäffikon in Betrieb genommen werden.
Innerhalb sehr kurzer Zeit konnte eine neue Prallbrechanlage mit Siebeinheit in kompakter Bauweise hergestellt und auf dem Werkhof der Hagedorn AG in Pfäffikon in Betrieb genommen werden.
Foto: Gipo AG

Schnelle Lösung erforderlich
In Pfäffikon zeichnete sich das Ende der Lebensdauer des dort eingesetzten Brechers ab. Für diese fünfzehnjährige Anlage war nach Angaben von Hüppin ein Sofortersatz notwendig. Zielvorgabe dafür war, in der RC-Materialproduktion sehr flexibel zu sein und einen leicht versetzbaren Brecher zur Verfügung zu haben, der bei Bedarf auf eigenen Baustellen der Hagedorn AG eingesetzt werden kann. Dazu fiel die Wahl auf eine Raupenmobile Prallbrechanlage mit Siebeinheit Giporec R 90 FDR GIGA.
Die Prallbrechanlage mit Siebeinheit GIPOREC R 90 FDR GIGA überzeugt durch ihre kompakte Bauweise, dem niedrigen Transportgewicht von 34 Tonnen, der 2-Deck Vorabsiebung und der Nachsiebeinheit. Dieser Anlagentyp ist mit einer Prallmühle P90 mit zwei Prallschwingen, einem Brechereinlauf von 870 x 850mm und einem Rotor mit Schlagkreisdurchmesser von 1100 mm ausgestattet. Weiter ist die Anlage mit einer Austragsrinne, einem 1000mm breiten Brecheraustragsband und einer 1-Deck Nachsiebmaschine ausgerüstet.
Mit der separaten 2-Deck Vorabsiebung erreicht man eine Steigerung der Endproduktqualität durch das Ausscheiden von verschleißintensivem Feinmaterial, von plattigem Korn und von vorhandenen Verunreinigungen. Im Unterdeck kann je nach Qualität des Aufgabematerials ein Drahtsiebgitter eingesetzt werden. Das gebrochene Material wird von der Ein-Deck-Siebmaschine (Siebfläche 1.300 x 3.000 mm) abgesiebt. Das Überkorn kann wahlweise seitlich ausgetragen oder in die Prallmühle zurückgeführt werden. Das Förderband Überkornrückführung ist für die Funktion als Haldenband auf einer stabilen Drehkonsole 180° hydraulisch schwenkbar gelagert. Der Maschinenantrieb erfolgt durch einen Volvo-Dieselmotor Stufe 4 final Typ TAD873VE - 235kW. Dank der aufklappbaren Aufgabe-Einheit ist eine sehr gute Zugänglichkeit zur Antriebseinheit sichergestellt. Die Anlage kann ohne zusätzliche Abstützungen betrieben werden, womit eine große Mobilität gewährleistet ist. Die Aufgabeleistung erreicht bis zu 200t/h. Das Materialflusskonzept ist ohne Verengung des Materialstromes ausgelegt, und die Systembreiten der Förderelemente öffnen sich in Materialflussrichtung.