Wiegen | 26.01.2016

Wie sich das neue Eichgesetz austarieren lässt

Seit dem 1. Januar 2015 ist ein neues Eichgesetz in Kraft getreten. Genauer gesagt ein neues Mess- und Eichgesetz (MessEG). Gewundert und geärgert haben wir uns darüber nun schon genug. Jetzt müssen Lösungen her. Diese reichen von Selbstbedienstationen bis zu mobilen Radladerwaagen.

 - Fahrzeugwaagen von Bitzer Wiegetechnik erfüllen die Vorgaben des neuen Mess- und Eichgesetzes (MessEG).
Fahrzeugwaagen von Bitzer Wiegetechnik erfüllen die Vorgaben des neuen Mess- und Eichgesetzes (MessEG).
Foto: Bitzer Wiegetechnik

Unter das MessEG (EG-Richtlinien 2009/23/EG und 2004/22/EG) fallen neben den Fahrzeugwaagen auch Radladerwaagen und Förderbandwaagen. Geändert hat sich zudem viel! Der Begriff des Verwenders einer Waage wurde zum großen Teil neu definiert und mit neuen Pflichten und Vorgaben hinterlegt. Verwender von Waagen erhalten dadurch eine größere Verantwortung. So müssen Messgeräte bestimmungsgemäß aufgestellt, angeschlossen, gehandhabt, gewartet und verwendet werden. Darüber hinaus verpflichtet das neue MessEG die Verwender von Messgeräten, die Eichung rechtzeitig zu beantragen. Und: Der Verwender hat sicherzustellen, dass Messgeräte nicht ungeeicht verwendet oder bereitgehalten werden. Verstöße gegen das MessEG können als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Nun würde es hier zu weit führen, jedes Detail des neuen MessEGs darzulegen. Zwei Änderungen sind jedoch hervorzuheben: So müssen dank des neuen MessEGs alle neuen Waagen (und erheblich modernisierte) vom Waagenbetreiber innerhalb von sechs Wochen nach Inbetriebnahme des neuen Messgeräts beim Eichamt angemeldet werden. Grundsätzlich ist für die Meldung der Betreiber verantwortlich. Er kann diese Aufgabe auf einen Dritten beispielsweise der Waagenfachfirma übertragen. Dabei ist es für den Betreiber sinnvoll, sich die Eingangsbestätigung über die Meldung aushändigen zu lassen und diese aufzubewahren. Diese Meldepflicht gab es in der Vergangenheit nicht.

Das neue Tara - kein leichter Brocken

Eine zweite - vor allem technisch betrachtet - nicht unerheblichen Änderung betrifft das Tara. So sind die beliebten Taraabspeicherungen nicht mehr erlaubt. Das bedeutet, dass die abgespeicherten Fahrzeug-Leergewichte und/oder die der Container nicht mehr für die eichfähige Gewichtsermittlung genutzt werden dürfen. Somit muss jedes Fahrzeug zwei Mal (einmal mit und einmal ohne Materialladung) verwogen werden, um das Nettogewicht eichfähig ermitteln zu können. Dies führt zu einem Mehraufwand seitens der Waagenbetreiber und vor allem zu drohenden Engpässen an der Fahrzeugwaage. Aus diesem Grund besteht vielerorts die Notwendigkeit zur Optimierung der Logistikabläufe, um entstehende Engpässe innerhalb des Warenannahme- und Verladeprozesses zu minimieren. Hier kann durch eine zusätzliche Fahrzeugwaage und/oder die Einbindung der Abläufe in ein softwaretechnisch gestütztes Logistiksystem für Abhilfe geschaffen werden. Auf dem bayerischen Natursteintag 2015 in Nürnberg wurde diese Tara-Bestimmung ausführlich erörtert. Vor allem der Kraftstoffinhalt, also das Spritgewicht des Zugfahrzeugs spielt dabei eine Rolle (mal vollgetankt, mal halb/fast leerer Tank). Dass sich dieses langfristig unterm Strich ausgleicht und somit diese neue Tara-Bestimmung wenig Einfluss bei der Abrechnung hat, sei hier nur am Rande erwähnt.

Selbstbedienstationen: Selbst ist der Kunde

Eine der renommiertesten Firmen auf diesem Gebiet dürfte die Bitzer Wiegetechnik aus Hildesheim sein. Das Unternehmen bietet neben der Hardware ebenfalls verschiedene Softwarelösungen an, welche die Abläufe zum Beispiel an Fahrzeugwaagen, optimieren helfen. So wurde bei einem Kunden, dessen Fahrzeugwaage sich sowohl werkseingangs- als auch werksausgangsseitig befahren lässt, zwei dieser Selbstbedienungsstationen mit der eichfähigen Waagenanzeige Disoview X installiert. Die Lkw-Fahrer können die Bedienung aus der Fahrerkabine vornehmen, ohne aussteigen zu müssen. Die Terminals sind mit Touchscreens, Barcodescannern, Telefongegensprechanlagen und Bon-Druckern ausgestattet. Darüber hinaus wurde im Eingangsbereich eine Netzwerkkamera verbaut, mit der die Fahrzeugwaage sowie die korrekte Position der Fahrzeuge auf der Waage auch aus der Ferne überwacht und dokumentiert werden kann. Nach jeder Wägung wird zu Kontrollzwecken ein Foto von diesem Wägevorgang abgespeichert. Am Terminal lassen sich mittels entsprechender Flaggensymbole die Dialogsprachen (deutsch, englisch, spanisch oder polnisch) auswählen. Das Einbinden weiterer Sprachen wie italienisch, tschechisch oder russisch dürfte sicherlich kein großes Problem darstellen. Noch ein Tipp: Selbst Smartphones und Tablets lassen sich zur Bedienung einsetzen, entsprechende Apps liefern die Niedersachsen. Dies dürfte für manchen Lkw-Fahrer noch komfortabler sein.

Neben den Standardabmessungen für Fahrzeugwaagen von acht bis 20 m sind auch Waagen mit einer Brückenlänge von 40 m und mehr erhältlich. Weitere Sonderabmessungen (auch in der Breite) sind auf Kundenwunsch ebenso realisierbar. Der Sonderbau stellt eins der Schwerpunkte der Hildesheimer dar. So lassen sich Fahrzeugwaagen selbst unter erschwerten Bedingungen installieren, falls der Einbau durch vorhandene Überbauten wie Silos oder Dächer erschwert wird. Hierzu wurde ein flexibel einsetzbares hydraulisches Montage-Rollportal entwickelt.

Eine weitere Kompetenz der Niedersachsen stellen Behälter- und Siloverwiegungen dar. Damit lassen sich Materialströme erfassen und kontrollieren. Darüber hinaus gehören auch eichfähige Schüttgutwaagen in verschiedenen Bauformen und Leistungen zur Produktpalette. Diese Schüttgutwaagen werden beispielsweise als Schiffsverladewaagen eingesetzt, um bestellte Liefermengen eichgenau verladen zu können.

Auf Schwingmaschinen spezialisiert

Beim Thema Schüttgutwaagen landet man schnell bei Schenck Process. Nichts ist schlimmer, als wenn Maschinen- oder Anlagenteile innerhalb der Produktion plötzlich ausfallen. Wartung und Instandhaltung machen schließlich ein Drittel der indirekten Kosten in Fertigungsbetrieben aus. Zustandsüberwachungssysteme – in neudeutsch auch als „Condition-Monitoring“ (CM) bezeichnet, helfen daher Unternehmen ihre Instandhaltungsstrategien neu auszurichten und Geld einzusparen. Aus diesem Grund haben die Hessen das CM-System CONiQ entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine Zustandsüberwachung, welche speziell auf die rauen Betriebsbedingungen von Schwingmaschinen abgestimmt wurde. Es überwacht die Maschinenbewegung sechsdimensional, womit es sich von anderen CM-Systemen deutlich hervorhebt.

 - Das Zustandsüberwachungssystem CONiQ soll plötzliche Produktionsausfälle an Schüttgutwaagen, Siebmaschinen und Schwingrinnen verhindern.
Das Zustandsüberwachungssystem CONiQ soll plötzliche Produktionsausfälle an Schüttgutwaagen, Siebmaschinen und Schwingrinnen verhindern.
Foto: Schenck Prozess

Das Zustandsüberwachungssystem CONiQ ist vor allem für Siebmaschinen und Schwingrinnen bestens geeignet. Verschleiß sowie absehbare Schäden werden rechtzeitig gemeldet und die schadhaften Komponenten können instandgesetzt werden, lange bevor es zu Ausfällen oder sogar zu Maschinenschäden kommt. Größere Risse oder Mängel an der zu überwachenden Maschine werden ebenfalls erkannt. Mit der Vermeidung eines einzigen Anlagenausfalls, sollen sich die Investitionskosten dieses Zustandsüberwachungssystems bereits amortisieren, so der Hersteller. Das System ist sowohl im Paket mit Schwingmaschinen erhältlich, als auch auf bestehende Maschinen nachrüstbar.

Alternativen: Radladerwaagen & Co.

Eine zweite, stationäre Waage zur Vorverladung ist recht teuer und deren Einbau beinhaltet viel Zeit und teils umfangreiche Fundamentarbeiten. Aus diesem Grunde können Radlader-, Muldenkipper- oder Abrollkipper-/Absetzkipperwaagen eine gute Alternative darstellen. Das Unternehmen Praxis Software hat daher zusammen mit der Bark System- und Wiegetechnik die Radladerwaage XR4309 entwickelt. Diese verfügt nicht nur über eine komplette Hardware mit allen Sensoren, Drucker und Anzeigedisplay, sondern auch über verschiedene Dienstleistungen wie Formulareinrichtung des Lieferscheins (bis zum Format DIN A5), Lieferscheinerstellung (inklusive Durchschläge), den Datenabgleich sowie die Übergabe in das vorhandene ERP- (Enterprise-Resource-Planning-) System mit Einrichtung der BauPVO (Bauprodukte-Verordnung). Alle Daten sind in Echtzeit verfügbar. Eine Prüfung mit Kreditlimitüberwachung und Liefersperre ist bei Einsatz der Software WDV 2015 ebenso möglich. Die Auftragsnummer-Verwaltung erfolgt mittels digitaler Unterschrift. Der Datenabgleich wird über LTE oder W-LAN durchgeführt. Eine elektronische Weitergabe über www.bau-else.de für den digitalen Lieferscheinaustausch mit Kunden und Spediteuren kann ebenfalls vorgenommen werden.

 - Industrie 4.0 im Radlader, das unterstützt die Praxis Software AG mittels ihrer  Radladerwaage XR4309.
Industrie 4.0 im Radlader, das unterstützt die Praxis Software AG mittels ihrer Radladerwaage XR4309.
Foto: Praxis Software AG

Die Radladerwaage XR4309 ist selbstverständlich eichfähig und von der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) zugelassen. Sie lässt sich in jedem Radladermodell innerhalb eines halben Tages einbauen, einrichten und eichen. Sie ist damit genau so vollwertig wie eine stationäre Waage. Darüber hinaus sind Radladerwaagen innerbetrieblich gut nutzbar, wenn beispielsweise eine kleine Mannschaft an unterschiedlichen Standorten die Rohstoffe abbaut. Da werden die Radlader einfach mitgenommen und die Daten lassen sich dann beim Rohstoffabbau direkt zur Zentrale melden. Der Fahrer kann sich jeweils werksbezogen anmelden und man erhält so die volle Übersicht. Die Abrechnung des geeichten Radladers kann sowohl intern in der Kostenstellenrechnung als auch extern in der Preisrechnung werksbezogen genutzt werden. Eine lückenlose Dokumentation bei verteilten Ressourcen ist damit möglich.

Neues Web-Portal bei Pfreundt

Das Unternehmen Pfreundt aus Südlohn im Münsterland ist als Hersteller von mobilen Waagen sehr gut bekannt. Mit über 40.000 verbauten Wiegesystemen sind weltweit zahlreiche Baumaschinen, Radlader, Umschlagbagger und Muldenkipper damit bestückt sowie erfolgreich im Einsatz. Im Mai 2015 wurde im RWE-Tagebau Garzweiler (westlich von Köln) den Kunden der Rheinischen Baustoffwerke die neue Radladerwaage WK60 und die systemintegrierten Förderbandwaagen live im Einsatz präsentiert. Ein weiteres Thema war die rechnerunabhängige Internetplattform Pfreundt Web Portal, welche sich für den Datenaustausch mit den Waagen eignet. Der Zugriff zum Pfreundt Web Portal erfolgt über jeden beliebigen Kunden-Webbrowser und ist selbstverständlich verschlüsselt. Kundenbezogene Einstellungen lassen sich ebenso vornehmen wie die Web-Oberfläche in mehreren Sprachen einzustellen. Die Lieferscheine mit Gütezeichen und Leistungserklärung erfolgt gemäß BauPVO. Leistungsübersichten der Waagen (Monitoring) sind selbstverständlich möglich. Ob im Büro auf dem PC oder von unterwegs über Smartphone oder Tablet, die Daten stehen dem Kunden jederzeit, also 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche bereit. Da die Software über das Pfreundt Web Portal erfolgt, ist beim Kunden keine Software-Installation, sind keine Updates und keine interne IT-Wartung notwendig. (Robert Ruthenberg)