Goldener Kanaldeckel 2017: | 07.09.2017

The Oscar goes to Almere

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur in Gelsenkirchen verleiht seit dem Jahr 2002 den goldenen Kanaldeckel. Die Gewinner in diesem Jahr sind Mitarbeiter von Stadtentwässerungen in den Niederlanden, in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Bei dem Preis, der auch als Oscar der Branche bezeichnet wird, machte ein Niederländer den 1. Platz.

 - Preisvergabe (v.l.): IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek, Alex Braun und Daniela Fiege (3. Preis), Arjo Hof (1. Preis), Jörg Michutta (2. Preis), Laudator Gerhard Odenkirchen (NRW-Umweltministerium).
Preisvergabe (v.l.): IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek, Alex Braun und Daniela Fiege (3. Preis), Arjo Hof (1. Preis), Jörg Michutta (2. Preis), Laudator Gerhard Odenkirchen (NRW-Umweltministerium).
Foto: IKT

Den 1. Platz machte Arjo Hof, Gemeinde Almere, Niederlande, mit dem Regenwasserprojekt Almere. Den 2. Platz belegt Jörg Michutta von der Stadt Altena für das Projekt Bürgerinformation und -betreuung bei der Zustands- und Funktionsprüfung in Altena. Auf dem 3. Platz landeten Daniela Fiege und Alex Braun, SWO Netz GmbH, Osnabrück. Sie erhalten den Preis für die Optimierung des Einzelhausanschluss-Prozesses durch strukturierte Arbeitsabläufe von der Auftragserteilung bis zur Dokumentation.

Überreicht wurde der Goldene Kanaldeckel von MD Gerhard Odenkirchen, Abteilungsleiter im NRW-Umweltministerium. Mit dem Preis werden besondere Leistungen bei Bau, Betrieb und Sanierung einer modernen und zukunftsweisenden Kanalinfrastruktur gewürdigt.

Die noch recht junge Stadt Almere, die mehrere Meter unter dem Meeresspiegel auf dem Flevoland-Polder liegt, verfügt über eine Trennkanalisation, die das Regenwasser weitgehend unbehandelt in die umliegenden Kanäle und Seen ableitet. Welche Auswirkungen dies auf die Qualität der Oberflächengewässer hat, war lange Zeit unklar. Das „Regenwaterproject Almere“ hatte zum Ziel, umfassend innovative Maßnahmen zur Niederschlagswasserreinigung zu analysieren und in Form von Pilotprojekten zu testen.

Eine Plankostenrechnung aus dem Jahr 2004 kam zu dem Ergebnis, dass für ein verbessertes Trennsystem gemäß der niederländischen Wasserrichtlinien 50 Mio. Euro investiert werden müssten. Im „Regenwaterproject“ wurde untersucht, ob es nicht bessere und kostengünstigere Wege gibt, die Gewässer um Almere zu schützen.

Über die dreijährige Projektlaufzeit wurden neue Messmethoden entwickelt und eingesetzt. Man erkannte, dass der Sedimenttransport auch in Regenwasserkanälen eine wichtige Rolle spielt. Neue Strategien zur Reinigung von Sinkkästen, Regenwasserabläufen und Regenwasserkanälen wurden erarbeitet und in der Praxis erprobt.

Eine zentrale Erkenntnis des „Regenwaterproject Almere“ war jedoch, dass der im Jahr 2004 erstellte „klassische“ Plan für eine verbesserte Trennkanalisation nicht effizient gewesen wäre. Stattdessen bereitet die Stadt Almere zusammen mit den Wasserbehörden derzeit einen innovativen Wassermanagement-Plan für die Jahre 2017 bis 2022 vor, der wesentlich auf den Erkenntnissen des „Regenwaterproject Almere“ basiert. Der umfangreiche Abschlussbericht des Projekts war so stark nachgefragt, dass er 2016 in einem 240-seitigen Buch veröffentlicht wurde und jetzt der Fachöffentlichkeit, vor allem aber anderen Kommunen, zur Verfügung steht. So wirkt das Projekt über die Grenzen Almeres hinaus.

Arjo Hof hat das Projekt an führender Stelle entwickelt, gestaltet und umgesetzt. Für seinen herausragenden, weit überdurchschnittlichen Einsatz und sein persönliches Engagement für den Umwelt- und Gewässerschutz wurde Hof mit dem ersten Preis des „Goldenen Kanaldeckel 2017“ ausgezeichnet.