Suchhunde beim Training | 09.03.2018

Spürnasen auf dem Ellerdonksee

Kürzlich an einem Sonntag waren ungewöhnliche Gäste bei Holemans im Kieswerk Ellerdonk: QashQai, Buddy, Eyka und Aszda – vier speziell ausgebildete Spürhunde der deutschen Einheit der Rettungsorganisation ISAR. Mit ihren Haltern und Trainern waren sie angetreten, um eine knifflige Aufgabe zu üben: die Wasserortung von Ertrunkenen.

 - Anke Gellert-Helpenstein (l.), Burkhard Zingraf (r.) und THW-Bootsführer René Haman mit Suchhund QashQai auf dem Ellerdonksee.
Anke Gellert-Helpenstein (l.), Burkhard Zingraf (r.) und THW-Bootsführer René Haman mit Suchhund QashQai auf dem Ellerdonksee.
Foto: Claudia Kressin

„Solche Übungen können wir nur gemeinsam mit Partnern durchführen, denn wir brauchen geeignete Boote und wir benötigen ein ruhig gelegenes Gewässer“, erläutern Anke Gellert-Helpenstein und Norbert Helpenstein von der ISAR-Suchhundestaffel. Als Partner mit Booten und umfangreichem technischem Know- how hatte sich das THW Wesel angeboten, und weil das THW seit langem gute Beziehungen zur Firma Holemans Niederrhein pflegt, war das Trainingsszenario rasch perfekt.

 - Auf geht´s: Die Spürnasen beim Übungseinsatz.
Auf geht´s: Die Spürnasen beim Übungseinsatz.
Foto: Claudia Kressin

Hunde scannen Seeoberfläche

Die Übung startete damit, dass im Ellerdonksee ein Köder bis auf den ca. 18 Meter tiefen Seeboden versenkt wurde. Seine genaue Position wurde durch Bojen markiert. Jeweils zwei Hundeführer und ein Spürhund gingen dann auf Tour, ein THW-Kollege führte das Einsatzboot. Gleichzeitig bezog am Ufer ein ISAR- Rettungsexperte Position, um mit einem Fernglas die Reaktionen des Hundes zu beobachten.
„Die Hunde scannen die Seeoberfläche, sie können Gerüche aus einer Tiefe bis zu 35 Metern wahrnehmen“, erläutert Norbert Helpenstein. „Wir bringen ihnen bei, bei einem Fund nicht zu bellen, sondern sich durch Kratzen bemerkbar zu machen“, ergänzt Norbert Helpenstein. Das geschieht aus Rücksicht auf Angehörige und andere Beobachter, die eine Suche im Ernstfall am Ufer gespannt verfolgen: „Diskretion und Ruhe sind hier sehr wichtig“.

Fingerspitzengefühl gefragt

Auch die Bootsführer müssen lernen, mit den Suchhunden zusammen zu arbeiten. Bei einer Wasserortung kommt es nicht auf Tempo an, sondern auf Fingerspitzengefühl. Ein Rettungsboot mit Hund an Bord muss sich leise und langsam fortbewegen, um den Hund nicht zu stören. Notfalls müssen die Bootsführer sogar paddeln. Mario van der Lugt ist Mitarbeiter der Holemans Niederrhein und Ortsbeauftragter des THW Wesel: „Für uns war die Übung eine besondere Erfahrung, die wir gern wiederholen“. Die Hunde der Helpensteins und ihrer beiden ISAR-Kollegen sind gefragt und haben schon etliche Einsätze in ganz Deutschland absolviert. Die Firma Holemans Niederrhein ist bereit, auch in Zukunft Suchhunde- Übungen mit den Teams von ISAR und THW ermöglichen.

 - Das Team der Rettungsspezialisten von THW und ISAR mit Anke Gellert-Helpenstein (2.v.r.) und Norbert Helpenstein (4.v.r.) am Ellerdonksee.
Das Team der Rettungsspezialisten von THW und ISAR mit Anke Gellert-Helpenstein (2.v.r.) und Norbert Helpenstein (4.v.r.) am Ellerdonksee.
Foto: Claudia Kressin

Schnüffel-Info

Die Ausbildung eines Wassersuchhundes dauert zwei bis drei Jahre. Ein Hund kann bei einem Einsatz eine halbe Stunde arbeiten, dann muss er sich wieder ausruhen. Bei einer Suche absolviert ein Suchhund rund 300 Atemzüge in einer Minute. Der Energieaufwand für einen Atemzug eines Hundes bei konzentriertem Schnüffeln lässt sich mit dem Lesen einer Buchseite bei einem Menschen vergleichen. Wenn ein Suchhund also eine halbe Stunde arbeitet, dann „liest“ er quasi ein ganzes Buch. Die Trainer versichern, dass die Suchhunde ihre intensive „Arbeit“ als Spiel erleben. (Claudia Kressin)