Günter Specht verabschiedet sich von seinem langjährigen Mitarbeiter Karl Kretschmer.
Foto: Ute Schroeter

WIMA Jubiläum

Siebe mit Liebe

Im 10. Jubiläumsjahr des Aufbereitungstechnikherstellers WIMA blickt der Geschäftsführer Günter Specht auf turbulente und lehrreiche, aber auch schöne Zeiten zurück.

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Wenn Günter Specht Fragen beantwortet, dann haben die Antworten oft einen trocken-humorigen Charme. „Ich heiße Günter Specht, bin 53 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Töchter und bin von Beruf Metallbauermeister“, so klingt das, wenn er sich vorstellt. Kein Wort davon, dass er seit 10 Jahren die WIMA Wilsdruffer Maschinen- und Anlagenbau GmbH leitet und das Unternehmen nach der Insolvenz der Bräuer-Gruppe wieder auf solide Füße gestellt hat.

Pünktlich zum Abschied

Zur Jubiläumsfeier waren neben Kunden und Mitarbeitern auch die Fachpresse geladen, die jedoch nur zur Hälfte zur rechten Zeit physisch anwesend war, um das bühnenreife Programm, im Wesentlichen dargeboten von Günter Specht, zu verfolgen. Die andere Hälfte in Person der Chefredakteurin dieser Zeitschrift, steckte zwischen Leipzig und Dresden im Stau. Immerhin rechtzeitig und vollständig wohnte die schreibende Zunft der Verabschiedung von Karl Kretschmer, einem langjährigen Mitarbeiter von WIMA, bei. Dieser hat auch harte Bräuer-Insolvenz-Zeiten durchlebt und geht nun in den wohlverdienten Ruhestand. Sehr viel Zuneigung schwangen in den Abschiedsworten für den Ruheständler mit, dem Specht einen Scheck überreichte, der für eine Weltreise oder „Ich weiß, noch nicht für was“ reichen sollte. Die Zeit langte auch noch für ein schmackhaftes Abendessen mit guten Gesprächen und für einen Rundgang durch die neue Werkshalle, die sich WIMA zum Jubiläum für 2,7 Millionen Euro geleistet hatte. Unser Zuspätkommen scheint uns Günter Specht verziehen zu haben. „Hauptsache, Sie sind überhaupt gekommen“, kommentierte er und gab uns im Nachhinein ein Telefoninterview.

Zehn Jahre WIMA – herzlichen Glückwunsch, Herr Specht. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie zurückblicken?

Günter Specht: Insgesamt bin ich sehr stolz auf das, was wir geschafft haben. Wobei wir harte und wilde Zeiten überstehen mussten, denn die Bräuer-Gruppe lag ja Ende 2006 buchstäblich am Boden.

Bräuer ist das Vorgängerunternehmen von WIMA. Das klingt nach einem schwierigen Start.

Günter Specht: : Ja, mehr als schwierig. Mit dem Tod des Firmengründers Manfred Bräuer im April 2006 ging es auch mit der Firma steil bergab, nur ein halbes Jahr später musste ich als damaliger Geschäftsführer für die Wilsdruffer Gesellschaft die Insolvenz anmelden. Unter der Regie eines Insolvenzverwalters sollte die Firma wirtschaftlich gesehen wieder auf Vordermann gebracht werden. Es tut mir heute noch weh, dass wir von 87 Mitarbeitern sechzig entlassen mussten. Zum Glück konnten wir einen Großteil der damaligen Stammbelegschaft zurückholen, heute haben wir 76 Mitarbeiter.

Wie ging es nach der Insolvenz weiter?

Günter Specht: Ein Jahr lang arbeiteten wir unter dem vom Gericht einberufenen Insolvenzverwalter, der uns im Nachhinein betrachtet zwar seine harte Hand hat spüren lassen, uns jedoch viele wertvolle Praxistipps gegeben hat, ohne die WIMA heute wirtschaftlich nicht so gut dastehen würde. Zunächst bot er eine Art Asset-Deal an, rief hierzu aber Preise auf, die wir als Belegschaft nicht hätten aufbringen können. Der Preis war wirklich total überzogen, nicht einmal ein gesundes Unternehmen wäre das Geld wert gewesen. So zerschlug sich schnell die Hoffnung auf einen Investor aus der Steine- und Erdenindustrie. Namhafte Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigten zwar großes Interesse, suchten aber schnell das Weite. Wie es dann halt im Leben so kommt, lernte ich einen netten Menschen aus der Bankenbranche kennen.

Die haben ja bekanntlich Geld…

Günter Specht: Das schon, aber um Geld ging es in diesem Fall gar nicht. Dieser Mensch hatte einen guten Kontakt zur Doppstadt-Gruppe und wusste, dass diese eine Fertigungsstätte suchte, die ein bisschen flexibler reagieren kann, als eine Linienfertigung oder eine Massenproduktion. Und so kam es zu einem Gespräch mit der damaligen Geschäftsleitung. Es wurde dann recht schnell klar, dass man an unsere Produkte glaubt und dass man uns nicht zu seiner verlängerten Werkbank machen will. Das war mir persönlich sehr wichtig. Anfangs waren wir fünf Gesellschafter, mich eingeschlossen, heute hält Doppstadt vier Anteile, womit WIMA ein Unternehmen der Doppstadt-Gruppe ist.

WIMA hat kräftig in eine neue Halle investiert. Ist das Unternehmen heute über dem Berg?

Günter Specht: Das kann man durchaus so sagen. Im Jahr 2007 fingen wir mit 28 Leuten an und sind stetig gewachsen. Konservativ und gesund haben wir es gemacht, um nicht einen großen Schritt zu machen und mittendrin den Halt zu verlieren. Irgendwann gelangt man aber an einen Punkt, an dem es nur noch mit einem großen Schritt weitergeht. Das war eben diese Halle, in die wir 2,7 Millionen Euro investiert haben. Unser Vertrieb ließ oft wegen verloren gegangener Aufträge den Kopf hängen. Nicht weil die Maschinen schlecht waren, sondern weil der Liefertermin mit 20 Wochen deutlich zu hoch war. Mit der neuen Halle haben wir jetzt die Voraussetzungen für schnelle Lieferzeiten geschaffen, die momentan bei zwölf Wochen liegen.

Wenn Sie durch die Hallen gehen, worauf sind Sie besonders stolz?

Günter Specht: Auf unsere Belegschaft. Wir haben eine Fluktuation, die fast bei Null liegt. Es ist ein tolles Gefühl, viele Jahre mit denselben Menschen zusammen arbeiten zu dürfen. Das zeigt doch, dass man selbst viel richtig gemacht hat. Natürlich kommt es vor, dass jemand aus familiären oder aus gesundheitlichen Gründen die Firma verlässt. Doch Geld scheint nicht nur die Rolle zu spielen, wobei es hier durch die Nähe zu Leipzigs Automobilindustrie durchaus lukrativ wäre, die Branche zu wechseln. Die Menschen, die hier arbeiten, lieben die Maschinen, die sie herstellen. Jedes Sieb, jede Anlage, verlässt das Werk genauso, wie ein Ausstellungsstück für die Bauma. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Kanten jeder Maschine mit Acryl abzuziehen, sodass kein Wasser eindringen kann.

Können Sie sich an ein besonders bemerkenswertes Projekt erinnern?

Günter Specht: Im Grunde sind alle unsere Projekte interessant und bemerkenswert, aber an unseren ersten Auftrag erinnere ich mich besonders gern. Jürgen Meierlohr, der Chef von der Firma Isarkies, ließ damals ein Kieswerk in Moosburg bauen. Ein Tag nach Gründung von WIMA schickte er uns einen Auftrag über die Lieferung von Maschinen sowie den Blechbau zu. Wir hatten in ihm einen Fürsprecher gefunden, der uns immer wieder unterstützt und Mut gemacht hat, wir sollten doch keine Angst vor so einem Auftrag haben, unsere Maschinen seien gut. Nun ja, zwei Einwellenwäschen, drei große Sandfänge und drei Siebmaschinen liefern zu dürfen, hat uns trotzdem ganz schön ins Schwitzen gebracht. Aber wir haben das Projekt durchgezogen und am Ende waren alle total happy. Besonders gefreut hat mich, dass es nie Streit gab, dass wir uns auf Augenhöhe begegnet sind und sich beide Seiten immer auf Absprachen verlassen konnten.

Ein gutes Miteinander scheint Ihnen sehr am Herzen zu liegen.

Günter Specht: So ist es. Wir legen großen Wert darauf, auch unsere Kunden nicht im Stich zu lassen, wenn ihre Maschine kaputt geht. Wir reparieren daher auch Maschinen von Herstellern, die es nicht mehr gibt. Was uns auch auszeichnet: Unsere Ehrlichkeit. Wenn es uns zu heiß wird, wir aufgrund von Kundenwünschen kein gutes Absiebergebnis garantieren können, ziehen wir uns zurück. Ute Schroeter

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