Remanufacturing | 04.09.2018

Schwimmbagger auf Überholspur

Die Anlagen zur Kiesgewinnung aus den 60iger bis 80iger Jahren weisen eine hohe Qualität auf und werden daher häufig generalüberholt statt ausgetauscht.

 - Gebraucht und doch wie neu: Modernisierter Schwimmgreifer kurz nach seiner Inbetriebnahme.
Gebraucht und doch wie neu: Modernisierter Schwimmgreifer kurz nach seiner Inbetriebnahme.
Foto: Rohr-Idreco

Nach Erfahrungen der Firma Rohr-Idreco Bagger GmbH entscheiden sich immer mehr Kieswerksbetreiber für eine Überholung bestehender Anlagen. Anfang diesen Jahres hat das Unternehmen bereits einen Saugbagger aufgearbeitet, mit neuer Steuerung versehen und im Februar an den Kunden am sandreichen Niederrhein ausgeliefert. Derzeit geht ein großes Umsetz- und Umbauprojekt in Leiberstung in die Endphase, bei dem an zwei Schwimmgreiferanlagen Maßnahmen durchgeführt werden, die durch die Mannheimer Rohr-Idreco-Ingenieure geplant und durchgeführt wurden. Es waren nicht allein die steigenden Stahl- und Rohstoffpreise, die die Verantwortlichen vom Kieswerk Leiberstung GmbH & Co. KG dazu veranlasst haben, eine genaue Machbarkeitsstudie zur Umsetzung und Überholung eines gebrauchten Schwimmbaggers vorzunehmen.
In diesem Fall ging es um eine Bischoff-Anlage aus den 60iger Jahren. Der gute Zustand der Anlage selbst, die Weiterverwendung diverser Komponenten und die somit geringeren Investitionskosten gaben den Ausschlag. Aufgrund der langjährigen, guten Zusammenarbeit mit Rohr-Idreco in Mannheim erhielt diese nach einer längeren Planungsphase den Zuschlag für den Umbau.

Gebraucht in gutem Zustand
Der terminliche Rahmen war unverrückbar fixiert, weil die Belieferung der Kundschaft sichergestellt bleiben musste. Hier war nicht nur der Produktionsstillstand im Zuge des Einschwimmens des Baggers, sondern auch die Tatsache entscheidend, dass direkt im Anschluss mit derselben Mannschaft die Katze des Baggers im Schwesterwerk erneuert werden sollte. Um bei diesem vierwöchigen Produktionsstillstand den kontinuierlichen Materialnachschub sicherzustellen, war es wichtig, dass der Bagger in Leiberstung rechtzeitig wieder funktionsfähig war. „Die Anlagen dürfen zu keiner Zeit gleichzeitig außer Betrieb sein!“, so die klare Definition im Auftrag.

 - Die Pontons wurden nach der Demontage der Anlage gereinigt und der Stahlbau begutachtet.
Die Pontons wurden nach der Demontage der Anlage gereinigt und der Stahlbau begutachtet.
Fotos: Rohr-Idreco

Aus alt mach so gut wie neu
Die Pontons wurden nach der Demontage der Anlage gereinigt und der Stahlbau begutachtet. Nachdem die erfahrenen Anlagenbauer festgestellt hatten, dass der Schwimmgreifer sich in einem guten Zustand befand, wurde der Transport zum Bestimmungsort unter der Gesamtverantwortung von Rohr-Idreco durchgeführt.
In der Zwischenzeit wurden die auszutauschenden und zu ergänzenden Stahlkomponenten wie Kipprost, Schurre und Begehungen um die Siebmaschine herum neu konstruiert. Außerdem wurde die Hydraulik komplett erneuert und in die Steuerungstechnik eingebunden. Parallel arbeiteten die Monteure in Mannheim bereits an der neuen Katze für die zweite Schwimmgreiferanlage, damit auch dieser Austausch termingerecht an den Projektteil in Leiberstung angeschlossen werden konnte.

Enger Zeitrahmen gemeistert
Auch wenn die Firma Rohr-Idreco schon seit vielen Jahrzehnten eng mit den betroffenen Kieswerken am Oberrhein zusammenarbeiten, handelt es sich bei diesen Umbaumaßnahmen um ein besonderes Projekt. Durch die enge Verknüpfung der beiden Einzelmaßnahmen und den engen zeitlichen Rahmen war hier besondere Sorgfalt und Planung wichtig. Gleichzeitig durfte die Qualität nicht aus dem Blickwinkel verloren gehen. Dies veranlasste die Verantwortlichen des Kieswerks Leiberstung, in Mannheim die Produktion des Auftragnehmers selbst zu besichtigen und den Aufbau der neuen Greiferkatze genauer in Augenschein zu nehmen. Hier bestand die Möglichkeit, auch einmal hinter die Kulissen zu schauen. Neben der Konstruktions- und der Anlagenplanung konnte auch die Elektro- und Steuerungsplanung besichtigt werden, die das Gehirn des Baggers bilden. Dabei zeigten sich die Besucher von der Komplexität und Variationsbreite beeindruckt. Nahezu das komplette Programm der Nassbaggertechnik wird von dem Hersteller abgedeckt. Ebenso bemerkenswert ist der heutige Stand der Technik bei den Steuerungen. So wurde von Mannheim aus ein Schwimmbagger in Russland beobachtet und bedient. Auch kann von Mannheim bei Steuerungsproblemen mittels Fernservice sofort zur Störungsbehebung eingegriffen werden.

Happy End für alle Seiten
Auf den Tag genau wurde der umgesetzte und modernisierte Schwimmgreifer an den Kunden in Leiberstung übergeben. Wie geplant zog dann das Montageteam ins Nachbarkieswerk um, um dort mit dem Umbau der Katze zu beginnen. Hier war der Schwimmbagger ebenfalls termingerecht an Land gezogene worden, um Verzögerungen zu vermeiden. Die Demontage der Katze und die Erneuerung der Laufschienen nehmen ca. zwei Wochen in Anspruch. Danach kann die neue Katze montiert und elektrisch angeschlossen werden. Die Anpassung der Steuerung ist der letzte Schritt, bevor die Inbetriebnahme in der vierten Woche erfolgen kann.