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Jeder Tropfen ist zu viel

In Deutschland werden nur etwa 50 % der verbrauchten Schmierstoffmenge recycelt. Unser Autor erklärt, wie sich dieser Umstand mit einfachen Mitteln ändern lässt.

Alles andere als umweltfreundlich: lpftze am Boden.Foto: Foto: Helmut Winkler

Mineralbasierte Hydrauliköle dürfen mit anderen Mineralölen gemischt und gemeinsam entsorgt werden. Ob das Ölgemisch dann recycelt oder thermisch verwertet wird, entscheidet das jeweilige Entsorgungsunternehmen. Über diese Schiene wird von den 150.000 t mit Sicherheit eine große Menge gesetzeskonform entsorgt. Und trotzdem stellt sich die Frage: „Wieviel Hydrauliköl geht eigentlich tagtäglich verloren, nur weil von der Produktauswahl, bis hin zur Wartung, gravierende Fehler gemacht werden?“

Das „Gleiche“ ist nicht das „Selbe“
Viele Konstrukteure und Instandhalter gehen auch 2018 immer noch davon aus, dass alle Hydrauliköle einer Klassifikation identisch sind. Das ist ein glatter Trugschluss, und ein Blick in die Norm wäre da sehr aufschlussreich. Denn schnell würde man erkennen, dass sich im Wesentlichen die Gleichheit nur auf die Grundölart und ein paar Normprüfungen beschränkt, für die Mindestwerte definiert sind. Normen sind fast schon ein ideales Instrument für den preisorientierten Produkteinkauf. Das sich damit eine Menge von Problemen ergeben können, wird oft gerne ignoriert. Selbst dann, wenn Hydrauliköle mischbar sind, müssen sie noch lange nicht verträglich sein.

Spurensuche im Öl
Hydrauliköle sind Mischungen aus einem Grundöl und Additiven. Das eingesetzte Grundöl ist die Leistungsbasis, die spezifischen Eigenschaften werden dann mit Art und Menge der Additive bestimmt. Das Hydrauliköl ist nicht nur ein Drucküber-tragungsmedium, bei der Auswahl müssen auch die tribologischen und thermischen Eigenschaften bewertet werden. Es liegt in der Natur der Sache, die in den Hydraulikölen eingesetzten Grundöle verändern ihre Eigenschaften mit zu- oder abnehmender Temperatur. Mineralöle haben noch den weiteren Nachteil, dass sie im Vergleich zu synthetischen Basisölen viel mehr verdampfen. Zusätzlich kommt es, weil die niederviskosen Ölanteile fehlen, zur Viskositätsveränderung und das hat wiederum einen negativen Einfluss auf das Tieftemperatur-, aber auch auf das rheologische Verhalten.

Verdampfungscharakteristik verschiedener Hydraulikle.Foto: Grafik: Helmut Winkler

Durch die Verdampfung kann sich also ein Hydrauliköl in Luft auflösen. Bei synthetischen Produktformulierungen ist diese Gefahr lange nicht so groß. Ganz generell gilt der Zusammenhang:

  • Je niedriger die Ölviskosität umso größer der Verdampfungsverlust
  • Je höher die Temperatur umso größer der Verdampfungsverlust
  • Je geringer der Verdampfungsverlust umso geringer der Ölverbrauch
  • Je geringer der Verdampfungsverlust umso stabiler die Viskositätseigenschaften

Auch der Filter kann zur Klärung beitragen
Oxidation (Sauerstoff), Hydrolyse (Wasser) und chemische Reaktionen mit Metallen sind „Ölalterungs-Beschleuniger“ und alles ist in einer Hydraulikanlage oft in ausreichender Menge vorhanden. Alterungsrückstände sind polarer Natur. Sie werden in den modernen mineralölbasierten Druckflüssigkeiten, nicht mehr so gut gelöst. Agglomerieren die Reaktionsprodukte, entsteht mit der Zeit Ölschlamm bis hin zu Varnish. Die im Hydrauliköl eingesetzten Dispersant-Additive halten die ölunlöslichen Verunreinigungen in Schwebe. Sie werden mit dem Fluid zum Filter transportiert, das Öl wird so gereinigt. Ein häufiger Filterwechsel verursacht nicht nur Kosten, er ist auch ein Indiz dafür, dass in der Hydraulikanlage einiges nicht in Ordnung ist. Mit jedem Filterwechsel wird Hydrauliköl mit entsorgt, diese Menge taucht in keiner Statistik auf. Und bei häufigem Filterwechsel kommen da schon einige Liter zusammen. Hydrauliköle mit synthetischen Grundsubstanzen sind weniger alterungsanfällig und sind deshalb eine gute Lösung.

Undichte Rohr- oder Leitungsverschraubungen tragen auch zu einem Hydrauliklverlust bei.Foto: Foto: Helmut Winkler

Weitere Verlustquellen
Ein steter Tropfen höhlt nicht nur den Stein, er füllt auch schnell ein Fass. Undichte Rohr- oder Leitungsverschraubungen tragen also auch zu einem Hydraulikölverlust bei. Dieser Verlust wird in der Statistik nicht erfasst. Mit zunehmender Gebrauchsdauer steigt die Gefahr des Dichtheitsverlustes. Die Anzeichen hierfür werden aber oft ignoriert. Leckagen sind nichts anderes als unerlaubte Ölentsorgungen. Kein Hydrauliköl ist umweltfreundlich oder gar umweltverträglich. Leckagen haben auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Jeder so verlorene Liter muss wieder gekauft und nachgefüllt werden. Regelmäßige Leitungsinspektionen und eventuelle notwendige Maßnahmen durchzuführen, ist auch aus dieser Sicht nur zu empfehlen. Große Füllmengen gehen verloren wenn durch fehlende Wartung, Instandsetzung oder bei einer Havarie, Hydraulikschläuche und -rohre beschädigt werden. Dann heißt es, wenigsten bei minerlölbasierten Produkten, das kontaminierte Erdreich zu entsorgen. Auch diese Hydraulikölmenge verschwindet im statischen Niemandsland. Natürlich geht auch bei Reparaturarbeiten einiges an Hydrauliköl verloren. Das gleich gilt fürs Umölen, zum Beispiel auf biologisch abbaubare Hydrauliköle bei Arbeitsmaschinen in Wald, Flur und auf der Baustelle. Denn bevor das neue Öl eingefüllt werden kann, muss die Anlage gut gespült werden. Es kommt zur Vermischung von einem „Bio-Öl“ mit einem Mineralöl. Betriebsbedingte Gemische werden in die „schlechteste“ Entsorgungskategorie eingeordnet und vermischte Abfälle sind teure Abfälle! Auch die auf einem solchen Wege entsorgten Hydraulikölmengen fehlen bei der Recyclingquote. (Helmut Winkler)

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