Ein Verband rät | 12.07.2017

Mit der richtigen Technik am richtigen Ort viel effizienter

Die Hersteller der Kaltfräsen haben in den vergangenen Jahren viele neue technische Lösungen hervorgebracht, mit denen die Fräsdienstleister äußerst präzise Fahrbahnbeläge abtragen und neu profilieren können. Allerdings stellen die Fräsdienstleister im VESF, dem Verband Europäischer Straßenfräsunternehmungen, immer wieder fest, dass das volle Potenzial der Kaltfräsen nicht abgerufen oder ausgenutzt wird.

Hier werden einige der Punkte kurz zusammengefasst und Anregungen für ein effizienteres Einbinden der Kaltfräsen in die Bauprozesse gegeben.

Einfacher durch selektives Fräsen

Steht der Ausbau mehrerer Schichten an, ist das selektive Fräsen in vielerlei Hinsicht vorteilhaft, denn moderne Kaltfräsen arbeiten so präzise, dass sie die einzelnen Lagen sehr genau abtragen können. Damit können Deck-, Binder- und Tragschicht separat dem Materialkreislauf wieder zugeführt werden, was wiederum die Nachhaltigkeit des Fräsgutrecyclings erhöht.

 - Selektives Fräsen der Deck-, Binder und Tragschicht – hier bei der Sanierung einer Start- und Landebahn – ist dank der präzisen Nivellierung einfach realisierbar.
Selektives Fräsen der Deck-, Binder und Tragschicht – hier bei der Sanierung einer Start- und Landebahn – ist dank der präzisen Nivellierung einfach realisierbar.
Foto: VESF

Diese Vorgehensweise bringt übrigens – anders als viele Planer denken – keinen Nachteil beim Zeitbedarf, denn aufgrund der geringeren Frästiefe tragen die Fräsen die einzelnen Schichten deutlich schneller ab als beim Vollausbau in einem Übergang. Vielmehr ist der Abtrag in 2 oder 3 Lagen je nach Maschinentyp, Belag und Umgebungsbedingungen mal etwas schneller und mal etwas langsamer als der Vollausbau. Richtig geplant, leistet man mit dem selektiven Fräsen aber einen sinnvollen Beitrag zur Entspannung der Transportproblematik, denn für den Ausbau dünnerer Schichten können auch leichtere Maschinen eingesetzt werden, die einfacher zu transportieren sind.

Effizienter durch passende Leistungsansätze

Stimmen die Randbedingungen, dann können die Kaltfräsen beeindruckend große Flächen bzw. Volumina in kurzer Zeit abtragen – die Maschinenleistung ist vorhanden. Leider wird sie oft nicht ausgeschöpft, da nicht genügend Transportraum zum Abtransport des Fräsguts zur Verfügung steht. Eine Abstimmung mit den beteiligten Fräsdienstleistern kann an dieser Stelle zu einer besseren Planung und damit zu einem insgesamt effizienteren Geräteeinsatz führen.

Präzise Ausschreibungen – verbindliche Angebote

Bei vielen Projekten müssen die Fräsdienstleister entscheiden, mit welchem Maschinentyp sie die Arbeiten kalkulieren bzw. welches Gerät sie auf die Baustelle entsenden. Dabei ermöglichen möglichst präzise Angaben in der Ausschreibung den Fräsunternehmen, ein passgenaues Angebot zu erstellen. Damit werden für die Auftraggeber die Angebote besser vergleichbar und verbindlicher. Details, die sich hier auswirken, sind zum Beispiel folgende:

  • Angabe der genauen Frästiefe: Oft wird „Frästiefe 10 bis 30 cm" gefordert. Damit kann nur sehr grob kalkuliert werden. Würde die Frästiefe auf 3 bis 5 cm genau angegeben, könnte sehr viel präziser kalkuliert werden.
  • Angabe des Lichtraums im Baustellenbereich: Nur wenn klar ist, wie viel Platz zwischen Fräskante und Verkehr zur Verfügung steht, kann eine nach den Sicherheitsvorgaben passende Maschine ausgewählt werden.
  • Anzahl der Schächte und Einbauten: Sie wirkt sich vor allem bei Kleinfräs-Einsätzen auf die Zeitplanung aus.
  • Anzahl der Einsätze: Immer öfter werden Fahrbahnsanierungen in mehreren zeitlichen Abschnitten bzw. einzelnen Fahrspuren abgearbeitet. Das führt zu kleineren Teillosen, bei denen mitunter andere Fräsen erforderlich sind als beim großflächigen Abtrag. Außerdem erfordern die mehrfachen Anfahrten einen anderen logistischen Aufwand, der organisatorisch, zeitlich und preislich berücksichtigt werden muss. Je genauer also der Bauprozess beschrieben wird, desto präziser kann kalkuliert werden.

Mehr als nur kopieren

Beim Ausschreiben der Fräsarbeiten ist es auch wichtig zu wissen, dass beim Fräsen standardmäßig das Profil der vorhandenen Flächen kopiert wird. Mit modernen Nivelliertechnologien können Kaltfräsen aber auch sehr präzise gänzlich neue Profile erzeugen und damit die Neigung und Lage bestehender Straßen komplett neu aufbauen. (siehe asphalt & bitumen, Ausgabe …).

Nicht zuletzt haben viele Fräsdienstleister zahlreiche intelligente Spezial-Lösungen im Programm. Es gibt Spezial-Fräswalzen für Sonderprofile, Fräswalzen, mit denen spezielle Texturen von sehr grob bis sehr fein erzeugt werden können, Fräsräder zur Herstellung von Schlitzen und Nuten, Absaugvorrichtungen für das Fräsen kontaminierter Böden, Sonderaggregate für das Fräsen von Rüttelstreifen und vieles mehr.

Allen Planern, die hier mehr wissen wollen, sei empfohlen, eine Anfrage an den VESF zu richten. Der Verband hilft den ausschreibenden Stellen gerne weiter.

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