Glosse | 30.04.2018

Liebe Grüße von Frau Schotter

Autokorrekturprogramme haben eine seltsame Macht. Sie verwandeln Namen auf wundersame Weise. Wie aus Frau Schroeter Frau Schotter wurde.

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Foto: travnikovstudio/adobe.com

Gestatten: Mein Name ist Schotter, Ute Schotter. Meine Eltern entschieden vor rund 45 Jahren, ich solle Ute Möhle heißen. Dann begegnete ich einem gewissen Schroeter. Die Standesbeamtin teilte mir mit, ich solle nun auf dessen Nachnamen hören, vorausgesetzt ich würde eine bestimmte Frage mit „Ja“ beantworten. Da ich nach reiflicher Überlegung einwilligte, war ich nun die Frau Schroeter mit oe. Lange lebte ich glücklich und zufrieden mit diesem Nachnamen, gelegentliche Tippfehler (Schröter mit ö) konnten das Glück nicht trüben. Dann kam der Tag, an dem Steve Jobs (hat bereits das Zeitliche gesegnet und kann daher nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden) seinem in diversen I-phones, Macs und sonstigen Äpfeln installierten Autokorrekturprogramm befohlen haben muss, mir einen neuen Namen zu verpassen. Schroeter, so meinten wohl die Herren aus dem Silicon Valley, sei für eine Person, die eine Zeitschrift mit Namen „Steinbruch und Sandgrube“ verantwortet, nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht passend. Also rief man die damals noch nicht in Erscheinung getretene Cambridge Analytica auf den Plan.

Namenskreationen
In üblicher Big-brother-is-watching-you-Manier saugte man alle Daten über mich aus dem Netz – von meiner Vorliebe für Lakritze bis hin zu den mir zur Verfügung stehenden Kenntnissen über Baustoffe. Damit wurde aus Frau Schroeter Frau Schotter, genauso easy wie Facebook einen Trottel zum amerikanischen Präsidenten macht, gell Herr Zuckerberg? So muss es gewesen sein, denn von allen Geräten, die mit einem gewissen Obst geziert sind, flattern E-Mails und Whatsapps in mein Postfach, die wie folgt lauten: „Sehr geehrte Frau Schotter, können Sie nicht mal dieses und jenes...?“ oder auch „Frau Schotter, wo bleibt denn das pdf, das ich bei Ihnen vor zwei Stunden bestellt habe?“ Frau Schotter hat sich an ihren neuen Namen gewöhnt, passt ja auch irgendwie. Nur die Anrede „Frau Schrott“, also nein, Herr Jobs, ich darf doch sehr bitten. Eine Beschwerde beim amerikanischen Außenministerium blieb ohne Erfolg. Die Wende brachte ein Stoßgebet gen Himmel, seither schreibt mir keiner mehr Schrott.

Unter Namensgeschwistern
Ben Wettervogel, Gott hab ihn selig, gehörte zu den gar nicht wenigen Menschen, deren Name und Beruf einen gewissen Zusammenhang erahnen lassen. Wettervogel moderierte vor seinem Tod im ZDF-Morgenmagazin das, na ...? Auch im Sport finden sich so manche Namensberufene: Ein Michael Ballack, zwar noch nicht im Himmel, dafür aber im Ruhestand, konnte doch gar nicht anders, als auf dem heiligen Rasen tätig zu werden. Philipp Lahm machte wiederum seinem Namen keine Ehre, da haben die Bayern echt Glück gehabt. Frau Schotter hätte ihn Philipp, den Fairen oder Philipp Flink genannt, wenn ihr die Macht gegeben wäre, allerdings hat ja Frau Schotter auch keine Ahnung von Fußball. Erinnert sich jemand an die großartige Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm? Ein Name, der die Zunge ins Wanken bringt, auch ohne Alkohol, der sich ins Gedächtnis einbrennt, selbst wenn die liebe Simone ständig über ihr Gewehr gestolpert wäre. Der schönste Kick, den ein Name besitzen kann, ist aber der Klang, der beim Aussprechen mitschwingt, so als hätte ein Dichter, gar Goethe höchstpersönlich, bei der Namensfindung mitgewirkt. Nicht umsonst hieß ein chinesischer Turmspringer Bo Peng. Es kommt noch besser. Ein Name der alles vereint: den Menschen, den Sportler und die Sportart. Der Olympiasieger im Trampolinspringen bei den Spielen in London ward Dong Dong gerufen. (Ute Schroeter)