Caterpillar | 11.03.2018

Kampf dem Sekundenschlaf

Ein Kamerasystem erkennt die Müdigkeit von Baumaschinen-Fahrern. Akusti-sche Warnsignale und vibrierende Sitze sollen zur Verhinderung von Unfällen beitragen.

 - Ein neues Kamerasystem soll auch in Steinbrüchen vor Unfällen infolge von Sekundenschlaf schützen.
Ein neues Kamerasystem soll auch in Steinbrüchen vor Unfällen infolge von Sekundenschlaf schützen.
Foto: CaterpillarZeppelin

Sekundenschlaf kann tödlich enden – einsetzende Müdigkeit und ungewolltes Einnicken, das nur wenige Sekunden dauert, sind eine große Gefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Es tritt in der Regel bei langen und monotonen Fahrten auf. Von dem Phänomen können aber auch Baumaschinen-Fahrer betroffen sein, wenn sich Arbeitsprozesse ständig wiederholen. Darum hat Caterpillar ein neues System zur Fahrersicherheit entwickelt.

Von 2003 bis 2016 hat der Baumaschinen-Hersteller alle dokumentierten Unfälle mit Personen und deren häufigste Unfallursache erfasst. Das Ergebnis: Bis heute konnten die Schäden um 92 % reduziert werden. „Das ist eine enorm positive Entwicklung, wenn man bedenkt, dass im gleichen Zug die Anzahl der Mitarbeiter, die Baumaschinen bewegen, um mehr als das doppelte gestiegen ist“, verdeutlicht Staale Hansen, der bei Zeppelin das Produktmanagement für Großgeräte leitet. Nichtsdestotrotz wird permanent daran gearbeitet, die Sicherheit und den Arbeitsschutz an den Baumaschinen zu verbessern. So wurde auf der letzten bauma erstmals das neue System zur Fahrersicherheit vorgestellt. „Verschiedene Studien haben gezeigt: Fahrer sind in der Regel zu Arbeitsbeginn noch konzentriert bei der Sache. Haben sie aber immer wieder die gleichen Arbeitsvorgänge, lässt ihre Konzentration spürbar nach“, berichtet Hansen und erklärt, dass der Hersteller hier ansetze.

Akustische Warnung

Zunächst wurden verschiedene Analysen durchgeführt und eine Vielzahl von am Markt gängigen Produkten wie Brillen, Kamera- und Steuerungssysteme untersucht. Sechs Produkte kamen in die engere Auswahl. Mit ihnen wurden verschiedene Pilottests absolviert, um das wirkungsvollste Mittel gegen Müdigkeit von Fahrern herauszufinden, wenn deren Konzentration nachlässt. Das Ergebnis ist ein Kamerasystem in der Kabine, das das Gesicht des Fahrers in 3D erfasst und dessen Ermüdung registriert. Sollten seine Augenlider länger als 1,5 Sekunden geschlossen sein und sich die Maschine mit mehr als 6,5 km/h bewegen, wird er akustisch gewarnt. Daran gekoppelt wurde der Fahrersitz, der dann stark vibriert. Das System reagiert auch, wenn der Blick des Fahrers von der Fahrbahn länger als 4,5 Sekunden abschweift und die Maschine schneller als 16 km/h ist.

Müdigkeit ist keine Schwäche

Als Auslöser von Müdigkeit gelten ganz verschiedene Faktoren - Drogen und Alkohol, zu viel Koffein, falsche Ernährungsgewohnheiten, extreme körperliche Aktivität oder Schlafmangel. Auch die körperliche Verfassung, insbesondere Organ-Erkrankungen, können erwiesenermaßen zu schneller Ermüdung führen. Müdigkeit tritt auf bei Depressionen, Stress, Angstzu-ständen oder Beklemmungen. Abhilfe schaffen kann eine Umstellung der Ernährung, insbesondere ein Verzicht auf größere Mengen von Koffein. Wer mehr Sport treibt und für einen ausgewogenen Schlaf sorgt, kann selbst dazu beitragen, der Müdigkeit vorzubeugen. Außerdem hilft es, Stressfaktoren abzubauen sowie für Entspannung und einen ausgewogenen Schlaf zu sorgen. „So kann jeder Einzelne etwas gegen Müdigkeit tun. Aber auch die Arbeitgeber sind gefordert, etwas dagegen zu unternehmen, indem sie die Betriebsabläufe entsprechend anpassen und den Baumaschineneinsatz gemäß Einsatzbedingung planen. Allerdings ist es völlig falsch, wenn Müdigkeit als Schwäche ausgelegt wird. Denn Müdigkeit ist eine ganz natürliche Erscheinung, von der jeder irgendwann betroffen ist. Betreiber von Baumaschinen sollten daher immer ihre Mitarbeiter einbeziehen, wenn sie die Ursachen bekämpfen wollen, was nur gemeinsam gelingen kann“, so Staale Hansen.

 - Routine kann zur Ermüdung führen.
Routine kann zur Ermüdung führen.
Foto: CaterpillarZeppelin