Interview | 14.08.2018

Herausforderungen bei der Finanzierungsstrategie

Gerade in wirtschaftlich günstigen Zeiten sollten Unternehmen ihre zukünftige Finanzierungsstruktur gestalten, rät Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführer Maturus Finance. Wir haben mit ihm über Herausforderungen bei der Finanzierungsstrategie und Sale & Lease Back gesprochen.

 - Sale & Lease Back kann für Gewinnungsbetriebe ein interessantes Finanzierungstool sein.
Sale & Lease Back kann für Gewinnungsbetriebe ein interessantes Finanzierungstool sein.
Foto: Stock Adobe, Frédéric Prochasson

Momentan ist die Finanzierungssituation für deutsche Unternehmen generell sehr angenehm. Der Zugang zu Bankkrediten wird als einfach beschrieben, die Konditionen sind günstig. Allerdings empfehlen Experten immer wieder eine strategische Unternehmensfinanzierung als dauerhafte Basis für finanziellen Handlungsspielraum. Ist das derzeit nicht unnötiger Aufwand?

Carl-Jan von der Goltz: Natürlich ist die Situation für Unternehmen, die wirtschaftlich gut dastehen, derzeit komfortabel. Deshalb sollten sie gerade jetzt die Zeit investieren, die Finanzierungsstruktur nachhaltig strategisch für die Zukunft anzupassen und sich für einen Finanzierungsmix mehrere Geldgeber an Bord zu holen. Ein rein anlassbezogenes Handeln, wie es derzeit in vielen Unternehmen stattfindet, kann schnell zum Nachteil werden, zum Beispiel wenn das Rating abfällt und dann kurzfristig frische finanzielle Mittel benötigt werden. Und Betriebe die keine guten Bonitäten haben, müssen sich ebenfalls Gedanken um ihre Unternehmensfinanzierung machen – auch für sie gibt es am Markt strategische Optionen.

Inwieweit müssen Unternehmen damit rechnen, dass sich plötzlich die Finanzierungsbedingungen am Markt verändern, vielleicht sogar verschlechtern?

Carl-Jan von der Goltz: Die Spielregeln ändern sich nicht von heute auf morgen, es ist vielmehr ein schleichender aber massiver Prozess. Neue Baseler Regulierungen für den Bankensektor sind bereits in der Vorbereitung. Das betrifft insbesondere die Berechnung der erforderlichen Eigenmittel im Hinblick auf gesetzliche Mindestkapitalanforderungen. Jedes Engagement muss künftig zum aktuellen Marktwert angesetzt werden – gerade bei schwachen Bonitäten werden Banken demnach besonders hinsehen. Die Auswirkungen dieser Regulatorik liegen unter anderem darin, dass Banken mehr Eigenkapital hinterlegen müssen – oder ihr Kreditgeschäft einschränken. Die Anforderungen erhöhen den Druck auf den Kreditsektor weiter und es ist davon auszugehen, dass Banken künftig kaum noch Engagements begleiten, die aus ihrer Sicht risikobehaftetet sind. Für Unternehmenslenker bedeutet dies: Vorsorgen und eine Zusammenarbeit mit verschiedenen, auch bankenunabhängigen Partnern, anstreben. Nur so lässt sich dauerhaft die Liquidität für eine flexible Unternehmensführung sichern.

Spielt denn die Bonität nicht immer eine entscheidende Rolle beim Zugang zu Finanzierungen?

Carl-Jan von der Goltz: Für die Banken ist Bonität natürlich ein bestimmender Faktor, wenn es um die Kreditvergabe geht. Bei alternativen Finanzierungsmodellen und bankenunabhängigen Geldgebern steht diese nicht immer im Vordergrund. Schauen wir uns zum Beispiel Factoring an: Dabei werden fortlaufend die Forderungen vorfinanziert – der Factor stellt weniger auf die Bonität seines Kunden ab, sondern vielmehr auf die der Debitoren. Auch bei Beteiligungskapital können das Unternehmenskonzept, die Strukturen und Besonderheiten über eine Finanzierung entscheiden. Und bei Crowdfunding überzeugen meist die Idee und die Vision dahinter. Sie beeinflussen, ob sich entsprechende Geldgeber finden. Welche Modelle jeweils geeignet sind, hängt von vielen Faktoren ab: Umsatz, Geschäftsmodell, Kundenstruktur, durchschnittliche Laufzeiten der Forderungen oder auch die Höhe des Anlagevermögens sind hier einige Beispiele.

 - Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführer Maturus Finance.
Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführer Maturus Finance.
Foto: Maturus

Neben diesen Beispielen gibt es viele weitere Möglichkeiten, auch objektbasierte, wie Sale & Lease Back. Wie muss man sich diese Finanzierungsvariante vorstellen?

Carl-Jan von der Goltz: Sale & Lease Back gehört zu den sogenannten asset-basierten Finanzierungen. Diese Art der Finanzierung ist angelsächsisch geprägt und zeichnet sich dadurch aus, dass die Objekte im Fokus stehen und nicht die Bonität. Auch Unternehmen aus der Baustoff-, Steine- und Erdenindustrie haben oft einen umfangreichen Maschinenpark oder Spezialfahrzeuge, die enormes Kapital binden. Man denke zum Beispiel an die großen Horizontalbohrer oder Tunnelbohrfahrzeuge, Kettenbagger, Siebmaschinen, Radlader und Dumper. Wir kaufen diese gebrauchten Objekte an und das Unternehmen least sie direkt im Anschluss zurück. So lässt sich im Rahmen einer reinen Innenfinanzierung kurzfristig die Liquidität stärken. Zu den Voraussetzungen gehört, dass die Maschinen werthaltig und mobil sowie beliebig einsetzbar sind. Sonderanfertigungen, Einzelobjekte oder quasi immobile Assets eignen sich nicht für eine Sale & Lease Back-Finanzierung.

Für welche Anlässe eignet sich das Modell?

Carl-Jan von der Goltz: Sale & Lease Back kommt zum Einsatz, wenn schnell und unabhängig Liquidität benötigt wird. Meist sind das Sondersituationen, wie beispielsweise Unternehmensnachfolgen. Wir haben hier erst kürzlich ein Unternehmen aus dem Bau-Bereich finanziert, ein Gesellschafter sollte abgelöst werden. Über die Hausbank alleine konnte keine ausreichende Finanzierung dargestellt werden, aber gemeinsam ließ sich das Projekt realisieren. Das Unternehmen machte neun Millionen Euro Umsatz und hatte eine Vielzahl verschiedener gebrauchter Baumaschinen. Über eine Sale & Lease Back-Finanzierung haben wir innerhalb von acht Wochen rund 1,9 Millionen Euro ausgezahlt und somit die Nachfolgelösung mit ermöglicht. Da die Bonität eine untergeordnete Rolle spielt, funktioniert Sale & Lease Back aber auch bei Sanierungen von Unternehmen oder unter bestimmten Bedingungen sogar in der Insolvenz. Wir finanzieren dann oft den Neustart, zum Beispiel wenn die Maschinen mittels Asset-Deal aus der Insolvenzmasse herausgelöst werden sollen oder Liquidität für den Insolvenzplan nötig ist. Mithilfe entsprechender Restrukturierungsmaßnahmen und der frischen finanziellen Mittel kann das Unternehmen wieder nach vorn schauen und den Turnaround schaffen. Der Faktor Zeit spielt in solchen Fällen eine wichtige Rolle; als bankenunabhängiger Finanzierer entscheiden wir schnell: Im Durchschnitt benötigen wir vom Erstkontakt bis zur Auszahlung des Kaufpreises zwischen sechs und acht Wochen. Für eine erste Einschätzung zur möglichen Kaufpreishöhe reicht bereits ein aktueller Leasing- und Anlagenspiegel.