Kettendozer | 07.03.2018

Happy Birthday D10

Vor gut 40 Jahren revolutionierte der D10 durch sein Delta-Laufwerk mit hoch gesetzten Antriebsrädern den Kettendozer-Markt. Noch immer entspricht es dem Stand der Technik.

 - Die stolze Entwicklungsmannschaft 1977 vor dem ersten D10 mit dem damals revolutionären Delta-Laufwerk.
Die stolze Entwicklungsmannschaft 1977 vor dem ersten D10 mit dem damals revolutionären Delta-Laufwerk.
Foto: Caterpillar

Im September 1977 verließen bei Caterpillar zehn Vorserienmaschinen des damals weltweit größten und stärksten Kettendozers die Fertigungsstraße, um einen nachhaltigen Eindruck in der gesamten Branche zu verbreiten. Die radikal neue Konstruktion des Cat D10, verbunden mit einem hohen Einsatzgewicht, einer hohen Motorleistung und einem neuartigen Laufwerkssystem waren damals die Reaktion auf vermehrte Anfragen von großen Bergbaubetrieben und Bauunternehmen nach einem leistungsfähigeren Dozer.

„Wir haben beim D10 frühere Erkenntnisse über Bord geworfen und uns intensiv mit dem Hauptbauteil beschäftigt, das man bereits seit der Firmengründung 1925 in den Caterpillar Werken produzierte“, sagt George Alexander, pensionierter Ingenieur, der zum D10-Entwicklungsteam gehörte. Er und drei weitere Einzelpersonen erhielten das Patent für das Laufwerk mit hochgesetzten Antriebsrädern, das später in Deutschland rasch unter dem prägnanten Begriff „Delta-Laufwerk“ populär wurde.

Als Resultat ihres kreativen und unkonventionellen Denkens präsentierte die Arbeitsgruppe eine imposante Maschine, die neue Maßstäbe setzte. Der D10 wog über 86 t, war 4,60 m hoch, 3,70 m breit und 9,40 m lang. Mit diesen technischen Daten und dem 522 kW (710 PS) starken Cat V12-Dieselmotor übertraf er die Produktivität des D9, des bis dahin größten Dozers, um respektable 50 %.

Mehr Leistungsfähigkeit gefordert

Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre forderte die Montanindustrie einen leistungsfähigeren Kettendozer. Bergbauunternehmen, die vorwiegend in Hartgestein arbeiteten, wünschten sich darüber hinaus verschleißärmere und standfestere Laufwerke. „Der D9 war zu jener Zeit zweifellos der beste Kettendozer“, stellt George Alexander klar. „Er eignete sich am besten für Erdbauarbeiten, doch im Fernstraßenbau und beim Hartgesteinsabbau wurden die damals generell üblichen starren Laufwerke massiv beansprucht.“ Das Forschungs- und Entwicklungsteam, das eine Lösung für die dringlichen Marktanforderungen finden sollte, erkannte schnell, dass die beschlossenen Produktivitäts- und Haltbarkeitsziele wie hohe Produktivität, modulare Bauweise, vereinfachte Instandhaltung, große Fahrereffizienz und gute Transportfähigkeitnur mit einem konstruktiv grundlegend veränderten Laufwerk zu erreichen sein würden.

1970 genehmigte das Management den Bau eines Versuchsstandes für das neue Laufwerk. „Wir haben dann gezielt an der Laufwerksgeometrie gearbeitet, sodass sie schon nach sechs Monaten funktionsfähig war“, erläutert George Alexander. Das Delta-Laufwerk mit hochgesetzten Antriebsrädern sowie Leitrad- und Laufrollenpendelung wurde in schwersten Einsätzen ausgiebig getestet, um seine Dauerfestigkeit nachzuweisen. Die Bilanz war höchst positiv. „Unserem Team wurden insgesamt 93 Patente für alle zum Konzept gehörenden Systeme erteilt“, berichtet Ron Krolak, pensionierter Chefkonstrukteur für Kettendozer.

Die Loslösung der Kettenantriebsräder von den Laufrollenrahmen und ihre neue Anordnung oberhalb der Laufkettenebene hatte zur Folge, dass sich die tragende Kettenlänge vergrößert und zugleich die Traktion verbessert. Da auch die immensen Fahrstoßbelastungen der Antriebsräder wegfallen, erhöht sich nicht nur deren Lebensdauer, sondern auch der Fahrerkomfort. Dennoch bestand Skepsis gegenüber der neuen Konstruktion. „Sie unterschied sich eben gravierend von der traditionellen Bauweise“, erläutert George Alexander. „Der komplette Kettendozer war abgesehen vom Dieselmotor in nahezu jeder Hinsicht außergewöhnlich.“ Planierschild und Aufreißer konnten dichter an die Maschine gerückt werden, was die Balance der Maschine spürbar verbesserte.

Die 1977 gefertigten D10-Vorserienmaschinen stießen bei den Kunden sofort auf große Akzeptanz, denn die herausragenden Schub- und Reißkräfte bescherten der Gewinnungsindustrie signifikante Vorteile. Weil das Delta-Laufwerk dank der hochgesetzten Antriebsräder sowie der Leitrad- und Laufrollenpendelung den Bodenkonturen besser folgen kann als ein starres Laufwerk, nehmen Abschub- und Reißleistung, aber auch Nutzungsdauer und Fahrerkomfort erheblich zu. Somit lagen die Kosten pro Kubikmeter bewegten Materials auf dem Niveau größerer Schürfkübelbagger.

Unkomplizierter Transport

Aufgrund der konsequenten Modulkonstruktion konnte ein unkomplizierter Transport der Maschine sichergestellt werden. Schnell ab- und anbaubare Komponenten erleichtern jeden Standortwechsel. Auch hat sich etwa die Aus- und Einbauzeit für die Getriebe- und Tellerradgruppe gegenüber 30 Stunden beim D9H auf nur noch sechs Stunden beim D10 verkürzt, während der Zeitaufwand für den gesamten Endantrieb lediglich neun statt 45 Stunden beträgt.

Die Nachfolger der Cat D10-Urversion mit Delta-Laufwerk bewältigen heute anspruchsvolle Einsätze rund um den Globus. Im Laufe der Jahre floss dieses erolgreiche Konzept auch bei den Cat Kettendozertypen D6N, D6T, D8T, D9T und D11T sowie dem aktuellen D10T2 in die Serie ein.