Nordbau, Neumünster | 07.09.2018

Gute Stimmung zur Nordbau-Eröffnung

Die digitale Baustelle ist das bestimmende Thema der 63. Nordbau, die bis zum 9. September rund um die Holstenhallen in Neumünster stattfindet. Die Baumaschinenbranche präsentiert sich bester Stimmung, denn das laufende Geschäftsjahr verspricht, an die Jahre vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 anzuknüpfen.

 - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat für die kommenden Jahre jeweils 90 Mio. Euro für den Straßenbau angekündigt.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat für die kommenden Jahre jeweils 90 Mio. Euro für den Straßenbau angekündigt.
Foto: David Spoo

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bezeichnet die Baumesse als wichtig für das Bundesland. Stets bilde sie gesellschaftliche Trends ab, in diesem Jahr die Digitalisierung. Er nutzt die Eröffnungsveranstaltung auch, um für ein Zuwanderungsgesetz zu werben und macht sich für den „Spurwechsel“ stark. Es sei „quatsch, gut ausgebildete und integrierte Menschen abzuschieben“, in deren Qualifizierung und Sprachkenntnis auch Unternehmen der Baubranche zuvor investiert hätten. Dem Fachkräftemangel müsse auch mit einer verstärkten Werbung für Handwerksberufe begegnet werden, dort gebe es großen Bedarf und es könne gutes Geld verdient werden. An Aufträgen mangelt es nicht, Günther kündigt etwa an, dass das Land in den kommenden Jahren jeweils 90 Mio. Euro in den Straßenbau stecken wird. Neben dem Ministerpräsidenten nehmen u.a. Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und der Dänische Botschafter Friis Arne Petersen an der Eröffnungsfeier teil.

Keine Angst vor der Digitalisierung

„Wir wollen zeigen, dass Digitalisierung nicht wehtut“, sagt Dieter Schnittjer, Vorstandsmitglied des Verbands der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e.V. (VDBUM). In Kooperation mit der Norddeutschen Bauindustrie und weiteren Partnern hat der VDBUM zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto „Digitale Baustelle – take it easy“ organisiert. Digitalisierung sei kein Trend, sondern ein Thema, das für immer bleibe. Besucher haben die Möglichkeit, die Vorzüge digitaler Technik an zwei Simulatoren zu überprüfen. Dass bei kaum einem Unternehmen ausschließlich Maschinen eines Herstellers im Einsatz sind, macht herstellerübergreifende Vernetzungs-Standards erforderlich. „Wir als Hersteller müssen uns bei der Schnittstellen-Thematik öffnen“, sagt Bomag-Vertriebsleiter Heiko Krautkremer.

Bei Wacker Neuson können Besucher dank Virtual Reality-Simulatoren Montageprozesse selbst ausprobieren. Michael Hau aus dem Bereich IT führt etwa vor, dass dieses Tool hilfreich bei der Telefonkonferenz mit einem Servicetechniker ist. Als Erweiterung der zero emission-Linie stellt das Unternehmen zudem neue, batteriebetriebene Maschinen vor.

 - Wacker Neuson-IT-ler Michael Hau führt Montageprozesse per virtual reality vor.
Wacker Neuson-IT-ler Michael Hau führt Montageprozesse per virtual reality vor.
Foto: David Spoo

Die Branche boomt

Volvo CE-Geschäftsführer Christian Kraushaar freut sich über die globale Wirtschaftslage und das Rekordhoch auf dem deutschen Markt, der eine Größe vor der Krise vor zehn Jahren erreicht habe. „Die Auftragsbücher sind voll“, so Kraushaar. Swecon-Geschäftsführer Falk Bösche rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Wachstum von 10 %. Ein Messeschwerpunkt des Unternehmens ist das digitale Kundenportal myswecon.

Gute Stimmung aufgrund der guten Auftragslage herrscht auch am Zeppelin-Stand. Kritisch betrachtet Michael Heidemann, Stellvertretender Vorsitzender des Zeppelin-Konzerns, die Abschottungspolitik des derzeitigen US-Präsidenten. Chinesische Hersteller seien hierzulande willkommen und auch CAT sei inzwischen ein wichtiger Player in China. „Der Wettbewerb verbessert das Produkt“, so Heidemann. Mit dem CAT 320 zeigt das Unternehmen einen Vertreter der neuen Kettenbagger-Generation. Die Maschine verfügt serienmäßig über eine 2D-Steuerung, ein eingebautes Wiegesystem und eine Schwenkstoppbegrenzung. „Die Maschinen sind deutlich leichter zu bedienen – auch für ungeübte Fahrer“, berichtet Heidemann und sieht darin ein Mittel gegen den Facharbeitermangel. Auf der bauma werden weitere Modelle der neuen Generation vorgestellt.

„Normalerweise gibt es im Vorjahr der bauma eine Auftragsdelle“, erläutert Helmuth Herrmann, Geschäftsführer der GP Baumaschinen GmbH Halle am Gemeinschaftsstand mit Komatsu. Dies sei dieses Jahr überhaupt nicht der Fall. Unter den elf Exponaten sind der neue Kompaktradlader WA100M-8 sowie ein Hybrid-Kettenbagger. Silvester Sandt, Vertriebsleiter bei Liebherr Hamburg, präsentiert das vollautomatische Schnellwechselsystem Likufix. Mit einer überarbeiteten Z-Kinematik bietet der ausgestellte Großradlader L 566 XPower – etwa in der Rückverladung - um bis zu 20 % höhere Ausbrechkräfte. Eindrucksvoll auch das 530 PS starke und 52, 2 t schwere Tiefbau-Bohrgerät LRB 18. JCB zeigt mit dem Raupenbagger 220X das erste Modell der „Next Generation“-Bagger mit Kettenfahrwerk. Neben dem zentral gelagerten Hauptausleger für höhere Präzision beim Aushub bietet die Maschine zahlreiche Verbesserungen im Bereich Kabine und Fahrerkomfort.

Mobilbagger wird zum Raupenbagger

Stolz präsentiert Ronald Figiel am Stand von Atlas v. d. Wehl einen 14 t Mobilbagger DX140w von Doosan, der zum Raupenbagger umgebaut worden ist „Das gibt es sonst nicht“, sagt der Baumaschinen-Vertriebler und erläutert: „Der Bodendruck wird halbiert“. Die schwarze Sonderanfertigung hat ein niederländisches Unternehmen geordert.

„Wir haben uns vorgenommen, den deutschen Markt zu erobern“, erklärt Heinz-Herrmann Rehnen, Geschäftsführer der Maschinenbau Rehnen GmbH, einem von zehn deutschen Sany-Händlern. Innerhalb eines Jahres seien 200 Maschinen des chinesischen Herstellers auf den Markt gebracht worden. Dies soll weiter gesteigert werden: Für das kommende Jahr wurden 600 der ausschließlich in China gefertigten Maschinen bestellt.

 - Ronald Figiel ( Atlas v. d. Wehl) präsentiert einen 14 t Mobilbagger von Doosan, der zum Raupenbagger umgebaut worden ist.
Ronald Figiel ( Atlas v. d. Wehl) präsentiert einen 14 t Mobilbagger von Doosan, der zum Raupenbagger umgebaut worden ist.
Foto: David Spoo

Auch im Mietgeschäft läuft es derzeit hervorragend. „Wir werden einen Umsatz- und Ergebnisrekord einfahren“, berichtet Zeppelin Rental-Geschäftsführer Peter Schrader. Das Unternehmen bietet den deutschen Kunden aktuell 4.500 Baumaschinen an. Vor einiger Zeit hat das Unternehmen die Online-Miete eingeführt, laut Schrader schätzen die Kunden jedoch nach wie vor den direkten Kontakt. Mit 56 bundesweiten Depots ist auch Cramo ein Schwergewicht im Bereich Miete. Peter Möllmann, District Manager Nord, stellt die pünktliche Lieferung heraus und gibt ein Versprechen ab: „Sollte das einmal nicht klappen, bekommt der Kunde das Produkt einige Tage umsonst.“

Die Nordbau 2018 läuft vom 5. bis 9. September. 850 Aussteller präsentieren ihre Produkte, erwartet werden mehr als 60.000 Besucher. Die Messe ist zum 17. Mal in Folge ausgebucht. (David Spoo)