Interview mit Dieter Jungmann, Leiter Geschäftsbereich Tiefbau bei der Funke Kunststoffe GmbH, Hamm. | 04.10.2017

Funke: Tiefbau mit Leidenschaft

Die Spezialisten aus Hamm haben sich im Laufe der Jahre einen guten Namen in der Tiefbaubranche erarbeitet. Wann immer Funke-Mitarbeiter in die Trümmer einer Kanalbaustelle schauen, sind sie inspiriert, mit ihren Produkten zu helfen, marode Rohre zu sanieren, auszutauschen, zu verbinden oder pragmatisch neue Systeme zu entwickeln. Der Ruf, ein verlässlicher Partner zu sein, hat das Unternehmen auch wirtschaftlich erfolgreich gemacht.

 - Dieter Jungmann.
Dieter Jungmann.
Volker Müller

Herr Jungmann, der Bau boomt. Wie stark partizipiert Funke daran?

Jungmann: Selbstverständlich profitieren auch wir davon. Wir liefern zurzeit sehr gut aus. Das Jahr hat gut angefangen, und der Trend hält jetzt zur Jahresmitte an. Unsere Produktion steht unter Volldampf.

Wir stellen jedoch fest, dass die Tiefbauer an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Einerseits sind die Auftragsbücher prall gefüllt, andererseits fahren die Kommunen ihre Vergaben langsam zurück, da die Aufträge in der vorgegebenen Zeit nicht zu realisieren sind und weil ihnen die Angebotspreise oft zu hoch erscheinen.

Auskömmliche Preise für die Tiefbauer sind aber absolut wünschenswert. Gleiches gilt allerdings auch für die Rohrproduzenten. Wir haben in Deutschland mehr als 60 verschiedene Rohrsysteme, da ist der Wettbewerb enorm hoch, und manch einer neigt dazu, im Markt zu pokern, um an Aufträge zu kommen.

Wie entwickeln sich denn Ihre Umsätze?

Jungmann: Die haben sich bei den Tiefbauprodukten in Zusammenarbeit mit dem Fachhandel in den letzten Jahren zufriedenstellend entwickelt. Allerdings haben sich die Schwerpunkte verlagert. Früher haben wir deutlich mehr rotbraune KG-Kanalrohre (SN 4) produziert. Heute geht der Trend mehr hin zu hochwertigeren Kanalrohrsystemen, wie zum Beispiel dem HS- oder dem Connex-Kanalrohrsystem. Außerdem richten wir den Fokus auf Spezialprodukte wie Rohrverbindungen, Hausanschlüsse, Regenwassermanagement und Bodenbefestigung.

Hier wollen wir unsere Alleinstellungsmerkmale weiterentwickeln, um als Familienunternehmen auch gegen deutlich größere Wettbewerber bestehen zu können.

Und wie sehen Sie mittelfristig die Chancen, etwa sich gegen Konzerne zu behaupten?

Jungmann: Wir Münsterländer gelten als verlässliche Partner mit Bodenhaftung. Uns traut man zu – und wir haben es in der Vergangenheit häufig bewiesen – für knifflige Probleme auf der Baustelle pragmatische Lösungen zu entwickeln.

Auf der anderen Seite haben wir glücklicherweise treue Tiefbauunternehmen, mit denen wir unsere Ideen auf Augenhöhe diskutieren und unsere Prototypen testen können. Denn was bei uns im Labor funktioniert oder auf dem Werksgelände versuchsweise eingebaut wird, ist nicht zwangsläufig immer absolut baustellentauglich. Erst wenn sich unsere Ideen bei unseren Baupartnern in der Praxis bewährt haben, nehmen wir die Serienfertigung auf.

Welche Produkte sind momentan die Renner im Tiefbau?

Jungmann: Bei uns im Haus sind das u.a. die Rohrverbindungen und Hausanschlüsse. Hier sehen wir für die Zukunft noch Entwicklungspotenzial. Wir haben heute eine Vielzahl von Anschlussmöglichkeiten im Programm, die wir stetig weiterentwickeln.

Ein großes Potenzial sehe ich auch im Regenwassermanagement, bedingt insbesondere durch den Klimawandel und den urbanen Sturzfluten als Folge. Auch in diesem Segment haben wir uns schon frühzeitig aufgestellt und bieten dem Markt eine Vielzahl moderner Lösungen.

Da gibt es aber schon Hersteller, die sich dieser Probleme angenommen haben …

Jungmann: Ich denke, der Markt ist groß genug, und letztlich entscheidet der Kunde über die zu verarbeitenden Systeme. Wir müssen uns da nicht verstecken, arbeiten an unseren Lösungen und werden auch in diesem Jahr noch einige neue Produkte auf den Markt bringen.

Welche Produkte haben sie konkret in der Pipeline?

Jungmann: Wir werden schon bald im Bereich der Oberflächenwasserreinigung einen Filterschacht anbieten, der für große Flächen entwickelt wurde. Außerdem wird es im D-Raintank-Bereich eine Weiterentwicklung geben.

Und eines ist sicher: In der Vergangenheit haben sich viele unserer Neuerungen im Markt durchgesetzt und oft sogar Nachahmer gefunden. Wir werden auch in Zukunft unseren erfolgreichen Weg fortsetzen. Denn der Tiefbau ist unsere Leidenschaft.

Weg von der Straße

 - Der Aufsatz des Seitenablaufs besteht aus Guss und verfügt über einen Einlaufquerschnitt von 482 cm².
Der Aufsatz des Seitenablaufs besteht aus Guss und verfügt über einen Einlaufquerschnitt von 482 cm².
Foto: Volker Müller

Der neue Seitenablauf von Funke ermöglicht die Verlagerung von Straßenabläufen in Rad- und Gehwege. So unterliegt das Material nicht mehr den starken Beanspruchungen, die von den darüber fahrenden Fahrzeugen ausgehen; auch das Gefährdungspotenzial für Fahrradfahrer wird reduziert. Hinzu kommt, dass herabfallende Blätter den Seitenablauf mit seiner bauartbedingten seitlichen Öffnung nicht so schnell verstopfen können. Zudem kann bei einer Erneuerung die Schwarzdecke in einem Zug hergestellt werden kann.

Der Aufsatz aus Guss entspricht der DIN EN 124/DIN 1229 und verfügt über einen Einlaufquerschnitt von 482 cm². Er entspricht der Belastungsklasse B 125 und ist mit einem integrierten Lastausgleichsring ausgestattet. Das korrosionsbeständige Kunststoffunterteil besitzt einen seitlichen Ablauf. Eine HS-Variomuffe DN/OD 160, die im Bereich von 0° bis 11° schwenkbar ist, sorgt für Flexibilität beim Einbinden der Rohre. Das Unterteil hat eine Bauhöhe von 800 mm und einen Innendurchmesser von mindestens 450 mm. Die Gesamthöhe des Seitenablaufes beträgt 990 mm. Der Seitenablauf kann sowohl mit einem stahlverzinkten Schlammeimer (Form A) ausgerüstet, oder, bei Bedarf, mit einem Innolet-Filter für Trockenablauf geliefert werden. Diese Ausführung ist für eine Anschlussfläche von 400 m² geeignet.

Anschlüsse an gelinerte Rohre

 - Einbau des Liner-Anschlusses System Connex: Über eine Öffnung im Distanzring wird die Dichtmasse eingeführt.
Einbau des Liner-Anschlusses System Connex: Über eine Öffnung im Distanzring wird die Dichtmasse eingeführt.
Foto: Volker Müller

Der Liner-Anschluss System Connex und der HS-Klebesattel für Inliner stehen für die neue Generation von Bauteilen, mit denen sich Anschlüsse an mit Schlauchlinern (GFK-Liner oder Nadelfilzschlauch bzw. Synthesefaserliner) sanierten Hauptrohren professionell herstellen lassen. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die Entscheidung, welches Formteil wann genutzt werden kann, hängen von verschiedenen Parametern ab. Hierzu zählen die Größe der Bohröffnung, die Nennweite der Rohre, die angeschlossen werden sollen sowie die Nennweite der Hauptrohre.

Den Liner-Anschluss System Connex gibt es in drei Varianten. In der Ausführung DN/OD 160 mit Bohrung 162 mm ist er in Hauptrohren ab DN 250 einsetzbar, als Liner-Anschluss DN/OD 200 mit Bohrung 200 mm in Hauptrohren ab DN 400 sowie in der Nennweite DN/OD 160 mit Bohrung 200 mm in Hauptrohren ab DN 400. Der Einbau erfolgt über ein in das Hauptrohr geschnittenes Arbeitsfenster. Nach dem Freilegen des Inliners sind Trennfolien unbedingt zu entfernen. Danach kann die für den Einbau des Liner-Anschlusses benötigte Bohrung hergestellt werden. Bei der fachgerechten Montage der einzelnen Bauteile wird durch das Einbringen der Zwei-Komponenten Dichtmasse eine kraftschlüssige Verbindung zum Liner geschaffen, bei der bauartbedingte Unebenheiten des Liners ausgeglichen werden.

Der HS-Klebesattel stellt ebenfalls eine gute Lösung für das Einbinden von Hausanschlussleitungen in mit Schlauchlinern ausgekleidete Hauptrohre dar. Er ist in den Nennweiten DN/OD 160/200 erhältlich und für den Einsatz in Hauptrohren von DN 200 bis 500 und Anschlussöffnungen ≥ 200 mm geeignet. Die fest in das Bauteil integrierte HS-Variomuffe sorgt für Flexibilität an der Einbaustelle. Im ersten Arbeitsschritt werden ein Arbeitsfenster in der Größe der gewölbten Grundplatte des Klebesattels in das Hauptrohr gefräst und der Schlauchliner freigelegt. Danach kann das Bauteil aufgeklebt werden. Mit dem Klebesattel lassen sich auch leichte Unebenheiten oder Falten im Liner ausgleichen. Im Lieferumfang ist ein Zwei-Komponenten-Kleber enthalten, der entsprechend der Verlegeanleitung mit dem Spachtel aufzutragen ist. Auf Anfrage sind auch Ausführungen für größere Nennweitenbereiche lieferbar.

Spülschacht mit höherem Volumen

 - Der Aufsatzschacht Typ A wird wie ein herkömmlicher Schachtring auf ein bereits vorhandenes, nach DIN 4034 (DIN EN 1917) gefertigtes Schachtunterteil DN 1000 gesetzt.
Der Aufsatzschacht Typ A wird wie ein herkömmlicher Schachtring auf ein bereits vorhandenes, nach DIN 4034 (DIN EN 1917) gefertigtes Schachtunterteil DN 1000 gesetzt.
Foto: Funke

Der neue Fabekun-Spülschacht von Funke hat ein um 20% erhöhtes Spülvolumen. Außerdem wurde der Spülmechanismus deutlich verbessert. Er stellt nun sofort nach Auslösung des Mechanismus eine 100%-ige Spülleistung sicher. Das im Schacht aufgestaute Wasser schießt damit in „einem Schuss“ durch die Leitung. Das Fertigteil mit der Nennweite DN 1200 ist mit zwei Zuläufen DN/OD 160, einem Ablauf DN/OD 200 sowie einem Notüberlauf ausgestattet. Es verfügt er über eine einbetonierte Auslaufschale, auf deren Öffnung ein Führungsrohr befestigt ist.

In diesem zylindrischen Rohr bewegt sich ein halbkugelförmiger Innenschwimmer, der nach dem Auslösen des Spülmechanismus im Führungsrohr aufsteigt und sich nach vollständiger Entleerung des Schachtes wieder auf die Dichtung des Auslaufes setzt.

Wie sein Vorgänger sammelt auch der neue Spülschacht kleine Niederschlagsmengen. Sobald das Speichervolumen von ca. 600 l (bisher 500 l) gefüllt ist. Beim Einsatz des Spülschachts werden die turnusmäßigen Wartungen durch ein Spülfahrzeug reduziert. Teilweise können sie entfallen – ein Aspekt, der besonders mit Blick auf die strapazierten Kassen der Netzbetreiber zu mehr Wirtschaftlichkeit beiträgt. Ebenso, wie das optimierte Preis-Leistungsverhältnis des neuen Schachtes, der günstiger angeboten werden kann, als sein Vorgänger.

Den Fabekun-Spülschacht gibt es in zwei Ausführungen: Der Aufsatzschacht Typ A wird wie ein herkömmlicher Schachtring auf ein bereits vorhandenes, nach DIN 4034 (DIN EN 1917) gefertigtes Schachtunterteil gesetzt. Der Typ U eignet sich für den Einbau in Endhaltungen in Neubaugebieten, die meist nur über eine geringe Einbautiefe und ein geringes Gefälle verfügen. Typ A und Typ U können mit Abdeckplatte (bei geringen Einbautiefen) oder mit Konus (bei ausreichender Einbautiefe) eingebaut werden.

Volker Müller