Versicherungen | 04.12.2017

Aufpassen bei Sanierungsgesprächen

Um den Jahreswechsel herum klopfen gerne Versicherungsmakler an der Tür. Hier heißt es: Aufpassen.

 - Versicherungen schützen vorm Absturz. Um den Geldbeutel zu schonen, sollte man Versicherungsmaklern nicht bedingungslos vertrauen.
Versicherungen schützen vorm Absturz. Um den Geldbeutel zu schonen, sollte man Versicherungsmaklern nicht bedingungslos vertrauen.
Foto: benjaminnolte/fotolia.com

Die meisten Unternehmen der Bauwirtschaft leiden zum Jahresende unter großem Zeitdruck. Viele Termine sind zu halten. Widrigkeiten erschweren dies. Und genau diese Zeit nutzen Versicherer um Sanierungsgespräche für die Versicherungspakete zu führen. Oft bleibt nur Prämienerhöhungen zu akzeptieren oder zumindest faule Kompromisse einzugehen, weil es schlicht an der Zeit fehlt, um ausreichende Recherchen durchzuführen.
Die Versicherungsvermittler sind oft kaum eine Hilfe, weil viele nur die Forderungen der Versicherer transportieren. Das ist auch verständlich. Ein Vertreter z. B. ist weisungsgebunden. Er hat keine eigene Entscheidungskompetenz. Angestellte der Versicherer, die die Gespräche führen, haben einen klaren Auftrag. Versicherungsmakler wiederum sind auch Kaufleute. Sie wollen gerne die Interessen der Kunden vertreten. Aber was würden Sie tun, wenn mit der steigenden Prämie auch Ihre Provision im gleichen Maße mit steigt? Sind ihre Bemühungen nicht auch auf einen gesunden Ertrag ausgerichtet? Jeder Auftrag, bei dem man etwas mehr verdient hilft.

Recherche auslagern
Nutzen Sie die Marktmechanismen und lagern Sie die nötigen Arbeiten qualifiziert aus. Hier helfen Berater, die keine Provisionen nehmen. Ihre Vergütung ist keine Quote aus der Prämie, sondern wird durch ein Prämienunabhängiges Honorar beglichen. Ein solcher Berater hat also kein Interesse an einer steigenden Versicherungsprämie. Häufig richtet sich das Honorar sogar nach den Einsparungen, die Sie durch die Beratung erzielen. Also genau der gegenteilige Effekt. Statt mit steigenden Prämien mehr Provision zu erhalten, profitiert der Berater an sinkenden Prämien. Damit sind Ihre und seine Interessen gleichgelagert.
Sie können die Tätigkeit der Vermittler und der Berater mit der Tätigkeit der Architekten und Ingenieure vergleichen. Der Berater ist der Statiker. Er sorgt dafür, dass die statische Konstruktion passt. Der Vermittler ist der Architekt. Er sorgt dafür, dass die Baustelle läuft. Dass die Fristen eingehalten werden usw. Er profitiert von einer, während der Bauphase, steigenden Bausumme, weil sich seine Vergütung daran orientiert.

Selbst kontrollieren
Natürlich ist das am einfachsten, wenn man im Laufe des Jahres exakte Aufzeichnungen führt. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, kann man bei Sanierungen gegensteuern. Die Versicherer begründen Prämiensteigerungen meist mit dem Schadenverlauf. Deshalb überprüfen Sie, was man Ihnen da vor hält:

- Fordern Sie Einzelschadenaufstellungen
- Prüfen Sie, ob die Schäden wirklich eingetreten und Ihnen anzulasten sind (wir alle machen Fehler).
- Hinterfragen Sie die Zahlungen der Versicherer
- Erforschen Sie, ob den Zahlungen, Regresse gegenüber anderen Beteiligten folgten (die mindern den Aufwand der Versicherer)
- Nehmen Sie Schadenreserven nicht einfach als gegeben hin, sondern lassen Sie sich diese ausführlich begründen (über die Schadenreserven wird viel Bilanzpolitik betrieben, weil es sich um Rückstellungen handelt)
- Analysieren Sie die Zielschadenquote, die der Versicherer anstrebt (die ist häufig überzogen)


Das alles können Sie natürlich auch an neutrale Berater auslagern, v. a. wenn bei der Sanierung die Zeit drängt, weil das Versicherungspaket fürs nächste Jahr unter Dach und Fach gebracht werden muss und der Versicherer mit Kündigung droht.
Augen auf bei neuer Police
Vorsichtig müssen Sie sein, wenn ein neuer Versicherungsschein mit umfassenden Versicherungsbedingungen kommt! In diesem Fall decken sich die Bedingungen nicht mit Ihrem bisherigen Vertrag. Andernfalls kann man die Prämienänderung mit einem „Dreizeiler“ dokumentieren. Wenn Sie also einen neuen Vertrag erhalten müssen sie diesen umfassend inhaltlich prüfen. Häufig wird der neue Versicherungsschein mit „tollen Verbesserungen“ begründet. Aber auch die könnte man mit 2-3 Seiten einfach an Ihren alten Vertrag anhängen. In der Regel sind im neuen Vertrag auch deutliche Verschlechterungen geregelt, die allzu häufig vergessen werden.
Deshalb suchen Sie neutralen Rat. Gespräche mit der Finanzverwaltung führen Sie auch nicht ohne Ihre steuerlichen Berater und die bekommen vom Finanzamt sicher keine Provision, die sich an Ihrer Steuerlast orientiert.
( Michael A. Hillenbrand)