Filtertechnik | 31.01.2017

Gute Luft für alle

Feinstaubemissionen aus Anlagen der rohstoffverarbeitenden Industrie stellen nicht nur für Anrainer ein häufiges Ärgernis dar. Doch wo gearbeitet wird und damit Menschen beschäftigt werden, gibt es meist auch Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Gut ausgelegte Entstaubungsanlagen reduzieren diese allerdings auf ein Minimum.

 - Die Filterelemente lassen sich einfach ein- und ausbauen.
Die Filterelemente lassen sich einfach ein- und ausbauen.
Foto: Keller Lufttechnik

Die Messprogramme des Bundes und der Länder zu den Quarzfeinstaubemissionen aus Anlagen zur Aufbereitung von quarzhaltigem Gestein, erregen noch immer die Gemüter. Die drohende Einführung von Gesamtstaub-Grenzwerten, die 15- bis 30-fach niedriger als bisher sind, sowie Kontrollen im jährlichen statt im Dreijahresrhythmus würden zahlreiche Betriebe massiv treffen und einige an den Rand der Wirtschaftlichkeit drängen. Zum Glück bieten Zulieferer moderne Filtersysteme und Entstaubungsanlagen an, mit denen selbst sehr niedrige Grenzwerte sicher erfüllt werden können.

Niedrigste Reststaubkonzentrationen

Das Unternehmen Herding Filtertechnik in Amberg/Bayern entwickelte in den 80er Jahren ein Filterelement aus gesintertem Polyethylen, welches im Vergleich zu den bekannten Gewebefiltermedien zahlreiche Vorzüge aufweist. Aufgrund der reinen Oberflächenfiltration, dringt der (oftmals abrasive) Staub gar nicht erst ins Filtermedium ein, so dass das Sinterlamellenfilter nicht verschleißen kann. Die Oberpfälzer haben sogar einige Kunden vorzuweisen, die bereits seit über 20 Jahren noch mit den zuerst verbauten Lamellenfilter die Stäube abscheiden und die Grenzwerte noch sicher einhalten können. Bei der Abreinigung mittels kurzer Druckluftstöße (Jet-Pulse-Verfahren) bewegen sich die abzureinigenden Starrkörper-Filterelemente nicht, weshalb sie dadurch kaum verschleißen. Es findet ganz schlicht keine Walkarbeit innerhalb des Filtermediums statt. Dank des neu entwickelten Baukastensystems, welches zudem sehr kompakt baut, lassen sich die Komponenten einer Entstaubungsanlage sehr viel einfacher transportieren sowie schneller installieren. Die neue Baureihe mit dem Namen Herding MAXX ist beispielsweise für Durchsatzleistungen bis über eine Millionen Kubikmeter pro Stunde (m³/h) geeignet.
Ein ganz großer Vorteil der Sinterlamellenfilter dürfte der extrem hohe Fraktionsabscheidegrad von über 99,995 % sein, bezogen auf Mikropartikel. So liegt der Staubkonzentrationsgrad im Reingas bei weniger als 0,1 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³). Verschiedene Messreihen, auch von verschiedenen Berufsgenossenschaften durchgeführt, ergaben Durchlassgrade von nur 0,00016 bis maximal 0,00068 Prozent. Sie liegen damit deutlich unter den in der EN 60335-2-69 für Staubklasse H geltenden Grenzwert von 0,005 %. Im Unterschied zur EN-Norm wurde hierbei nicht mit einem Prüfaerosol, sondern mit einem realen Quarzfeinstaub getestet. Filteranlage von Herding lassen sich daher zur Entstaubung von Gefahrstoffen wie beispielsweise Quarzfeinstaub bestens einsetzen.
Die Firmengruppe Max Bögl in Sengenthal (zwischen Nürnberg und Regensburg) beschäftigt mehr als 6.000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von über 1,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen zählt damit zu den größten Bau-, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen der deutschen Bauindustrie. Seit der Gründung im Jahr 1929 ist deren Firmengeschichte geprägt von Innovationskraft in Forschung und Technik. Produkte wie der Hybridturm System Max Bögl für leistungsstarke Windenergieanlagen mit großen Nabenhöhen, die innovative Segmentbrücke Bögl, Architektur Beton Bögl für filigrane Sichtbetonfassaden oder das auf Wohnqualität und Kostenersparnis ausgerichtete Modulbausystem Maxmodul belegen dies.

 - Mit Entstaubungsanlagen der Baureihe Herding MAXX sind Durchsatzleistungen im Bereich mehrerer Millionen Kubikmeter pro Stunde möglich.
Mit Entstaubungsanlagen der Baureihe Herding MAXX sind Durchsatzleistungen im Bereich mehrerer Millionen Kubikmeter pro Stunde möglich.
Foto: Herding GmbH Filtertechnik

20-jährige Verfügbarkeit

Im Steinbruch Wiesenhofen (bei Beilngries) sowie im Stammwerk in Sengenthal werden zahlreiche moderne Entstaubungsanlagen der Amberger Filterexperten eingesetzt. Im Steinbruch sorgt eine Anlage vom Typ Herding FLEX 1500-48/9 SU, welche für die Absaugung für Brecher und Bandübergabestellen zuständig ist, für saubere Umgebungsverhältnisse. Die maximale Luftmenge liegt dort bei 20.000 Kubikmeter pro Stunde (m³/h).
Im Werk Sengenthal wiederum arbeiten mehr als eine Handvoll Anlagen wie als Siloaufsatzfilter jeweils eine Herding FLEXTOP80 1200-8/8 G mit einer Luftmenge von 1.200 m³/h sowie drei Herding FLEX 1500-10/8 G mit einer Luftmenge von 2.000 m³/h. Zur Absaugung eines Drehrohr-Ofentrockners gelangt eine Herding MAXX 1500-24/18 GFZ+V_C_(1 x1) mit einer Luftmenge von 15.000 m³/h zum Einsatz. Eine Herding FLEX 1500-16/9 GZF+V (Luftmenge 5.000 m³/h) sorgt für Staubarmut bei Silos und Becherwerk, während eine Herding COMP 750-12/9 SB (Luftmenge 1.500 m³/h) für die Absaugung der Mischer und der Big-Bag Abfüllanlage zuständig ist. Verarbeitet werden Hüttensand, Quarzsand, Kies und Gneis.
Das Unternehmen Pongratz Schotterwerk in Ensdorf-Wolfsbach wird in Kürze eine Filteranlage vom Typ Herding FLEX 1500-96/9 G +V mit einer Luftmenge von 35.000 m³/h installieren, welche die Absaugung von Brecher und Sieben vornimmt. Der französische Konzern Imerys Ceramic ist mit knapp 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro nach eigenen Aussagen der weltweit führende Keramik- und Sanitärkeramikproduzent und die Nummer zwei In Sachen Kaolin für Fiberglas sowie Talkum für Katalysatoren und Partikelfilter. In 2015 erwarben die Franzosen von der deutschen BASF das Kaolingeschäft zur Papierbeschichtung. An vier Standorten in Deutschland forschen, entwickeln und produzieren die Franzosen unter anderem Tafelgeschirr. In ihrem Werk Schmelitz bei Tirschenreuth setzt man in der Feldspatverarbeitung einmal eine Herding FLEX 1500-16/9 G (5.400 m³/h) sowie eine Herding FLEX 1500-20/9 S für eine Luftmenge von 6.000 m³/h ein. Diese entfernen die Stäube der Mühlenabsaugung sowie die von diversen Absaugstellen im Rohstoffwerk.

 - Das neue, längere Filterelement Herding Delta 2250/9 ermöglicht den Bau von noch schmaleren und damit kompakteren Absauganlagen.
Das neue, längere Filterelement Herding Delta 2250/9 ermöglicht den Bau von noch schmaleren und damit kompakteren Absauganlagen.
Foto: Herding GmbH Filter

Nass- oder Trockenfilterung

Neben diesen Kunden, welche in der Regel hochmoderne Entstaubungsanlagen einsetzen, die erst vor kurzem installiert wurden, hat der Amberger Filterhersteller allerdings auch Kunden im Portfolio, die noch die ersten Anlagen von vor über 20 Jahren im Einsatz haben; und das mit den ersten Filterelementen. In Kürze wird die SUSA über solch einen Anwendungsfall ausführlicher berichten.

 - Durch die vergrößerte Oberfläche der KLR-Filter sinkt der Druckverlust und der damit einhergehende Energiebedarf um bis zu 5%.
Durch die vergrößerte Oberfläche der KLR-Filter sinkt der Druckverlust und der damit einhergehende Energiebedarf um bis zu 5%.
Foto: Keller Lufttechnik

Das Unternehmen Keller Lufttechnik in Kirchheim unter Teck ist vor allem als Hersteller von Anlagen zur Entstaubung und Schadgasreduzierung nach dem Nassabscheideverfahren bekannt. Ob Schweiß- oder Laserrauch, ob Bohr- und Fräsölemulsionen oder Medizin-, Chemie- sowie Nahrungsmittelstäube und -gase oder -emulsionen, die Schwaben verfügen über ein breites Portfolio bei der Nassabscheidung. Allerdings ist deren Produktprogramm bei der Trockenabscheidung von Stäuben jeder Art ebenso umfassend. Ob in der Keramikindustrie, im Berg- und Tunnelbau oder bei der Klinker-/ Ziegelsteinherstellung, überall sind Anlagen aus Kirchheim u.T. im Einsatz.
In 2016 wurden die neuentwickelten KLR-Filter präsentiert. Diese bestehen aus einer gefalteten PTFE-Feinabscheide-Membran, welche sich für zahlreiche Anwendungsfälle inklusive Rückluftbetrieb eignen. Die Abscheidegrade bei einem Reststaubgehalt von unter 0,1 mg/m³ sollen die Filterqualität E11 nach DIN EN 1822 übertreffen. KLR steht übrigens für Keller Long Run und das bedeutet, dass diese neuen Filter für mindestens 120.000 Abreinigungsintervalle gut sind. Die Kunden bekommen darauf sogar eine Garantie, dass die KLR-Filterelemente mindestens 120.000 Reinigungsimpulse ohne Qualitätsverlust überstehen .

Reste absaugen

Die KLR-Filter sollen sich darüber hinaus durch ihren geringeren Energieverbrauch auszeichnen. Durch eine effiziente Faltung des textilen Filtermaterials konnte die filternde Oberfläche vergrößert werden. Das vermindert die Druckdifferenz und damit die Leistung die nötig ist, um die Luft durch den Filter zu transportieren. Der notwendige Energiebedarf soll dadurch um bis zu 5 % sinken. Kunden, welche die bisherigen ProBran- oder Y-Filter im Einsatz haben, können beim nächsten Filterwechsel zudem auf die neue Variante des KLR-Filters umsteigen und kommen dann in den Genuss der Vorteile, die dieses Filter bietet, so der Hersteller.
Trotz bester Entstaubungstechnik kann es immer mal wieder vorkommen, dass bei Montage- und/oder Instandhaltungsarbeiten, bei Be- und Entladevorgänge auch mal etwas daneben geht, oder es gilt körnige Rohstoffe umzuschlagen. In solchen Fällen kommen Industriesauger und Sauganlagen zur effektiven Reinigung und/oder zum Transport zum Einsatz. Das Unternehmen Wieland Lufttechnik in Erlangen bietet hierzu große stationäre oder fahrbare Sauganlagen an, welche Saugleistungen bis zu 60 t/h erzielen. Damit ist ebenso eine optimale Bodenreinigung möglich. Neben den Industriesaugern bieten die Erlanger auch Entstaubungsanlagen für die rohstoffverarbeitende Industrie an. (Robert Ruthenberg)